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Das Erlebnis Alpe d`Huez Triathlon

Mittwoch, 19. August 2026
Copyright: @alpetriathlon

Mythos Alpe d’Huez: Wo Schweiß auf Tour-de-France-Geschichte trifft

Wenn um 06.00 Uhr morgens der Wecker auf über 1.800 Metern Höhe klingelt und die Gipfel der französischen Alpen noch im Schatten liegen, weißt Du: Das wird kein gewöhnlicher Wettkampftag. Wo sich nur wenige Tage zuvor die Profis der Tour de France die steilsten Rampen hochquälten, wartete auf uns eines der spektakulärsten Spektakel des Sommers – der Triathlon Alpe d’Huez.

2,3 km Schwimmen im eisigen Bergsee Lac du Verney, 120 km Radfahren über 3.500 brutale Höhenmeter inklusive der legendären 21 Kehren und ein abschließender Halbmarathon auf fast 1.900 Metern Höhe bei glühenden 44 Grad. Boris Lehmann nimmt Euch mit auf einen epischen Trip zwischen schierer Ausdauer-Qual, atemberaubender Kulisse und der magischen Aura eines echten Radsport-Mekkas.

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Früh um 06.00 Uhr klingelt der Wecker. Die Sonne versteckt sich noch hinter den Bergen. Die Übernachtung auf über 1.800m über dem Meeresspeigel ist dennoch bewusst gewählt, denn keine 400m von hier liegt das Ziel des Triathlon Alp d`Huez. Wo sich vor einer Woche noch hochdramatisch das Finale der Tour de France abgespielt hat, sollen sich heute an diesem Augusttag fast 2.000 Sportler hoch quälen. Bereits die gesamte Woche läuft schon das Spektakel in den französischen Alpen: Duathlon am Montag, Kinder Triathlon am Dienstag, die Langdistanz am heutigen Mittwoch und morgen dann der Abschluss mit der olympischen Distanz. Heute jedoch warten erst einmal 2.3 KM Schwimmen, 120 KM Rad und der abschließende Halbmarathon auf uns. Mit der Seilbahn, die hier Telécabine heißt, geht es vom mondänen Skiort Alp d´Huez in knapp 40min ins Tal an die Staumauer des Lac du Verney. Auf der anderen Seite der Talsperre wartet schon der gelbe Blitz in der Wechselzone. Wer will, kann auch die 23 KM schon mit dem Rad hinab düsen oder einen der zahlreichen und kostenfreien Shuttlebusse in Anspruch nehmen. Die stehen übrigens nicht nur den Teilnehmern sondern auch den Angehörigen kostenfrei zur Verfügung. Die Anmeldung erfolgte einige Wochen vorher unkompliziert per Mail.

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Es ist Mittwoch. Einen Wettkampf mitten in der Woche hatten wir auch lange nicht. Die Wechselzone T1 füllt sich dennoch schnell. Nur die Standluftpumpe fehlt, um die platten Reifen wieder aufzupumpen. Aus Sicherheitsgründen hatten wir am gestrigen Check-In die Luft abgelassen um in der Hitzwelle Frankreichs nicht noch einen Platzer vor dem Start zu riskieren. Wir erfahren von einem der unzähligen Helfer, dass der obligatorische Radservice erst eine halbe Stunde vor dem Startschuss eintreffen soll. Parallel verteilen sich auf der riesigen Wiese an die 2.000 Räder. Aerodynamische Zeitfahrmaschinen wie in Roth, Hamburg oder Frankfurt stehen nur vereinzelt im Radständer. Die Masse der Athleten vertrtaut dann doch eher auf ein bergtaugliches Setup ohne Aerolenker und Scheibe im Hinterrad. Immerhin warten auf den 120 KM nach dem Schwimmen an die 3.500 Höhenmeter und gleich zwei klassische Tour de France Bergwertungen der höchsten Kategorie - HC.

Die Sonnenstrahlen klettern langsam über die Gipfel am Horizont des tief eingeschnittenen Tals. Am Ende wartet der Col de la Croix de Fer. Der Col steht heute aber glücklicherweise nicht auf der Liste. Im kalten Lac de Verney sind neben Neopren auch zwei Badekappen und bei Bedarf eine Neohaube für den Kopf empfohlen. Beim Einschwimmen merkt man schnell, dass dieser Hinweis berechtigt ist. Durch drei verschiedene Tore werden die Teilnehmer zum Rolling Start geführt. Vom schnellen über mittleren bis zum entspannten Schwimmtempo können sich die Teilnehmer einreihen. Schnur gerade führt die Schwimmstrecke entlang dreier Bojen raus ins Freiwasser. Nach zwei 90° Wendungen führt die Strecke sodann zurück. Kaltes, klares Bergwasser füllt den Neo und hält den Schweiß noch zurück. Nach einem steilen Schwimmausstieg geht es über den ausgerollten Teppich zum Rad. Wer exklusive Wechselbeutel und Umkleidezelte sucht, wird hier enttäuscht. Es ist familiär, manchmal eine Spur zu eng aber alles entspannt.

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Direkt nach dem Schwimmen geht es für 500m bergan bevor es auf eine langgezogene Gerade in Richtung Staumauer geht. Das Peloton ist eng zusammen und auf dem Weg zur D1091, der Hauptstraße zwischen Le Bourg-d'Oisans und Grenoble, zeigt sich schon, wer auf den ersten 24 KM die Kette rechts legen will. Der Wind bläst noch frühsommerlich schattige und kühle Luft von vorn. Auf den folgenden Kilometern geht es mit einem fast 47er Schnitt nach unten. Die Kampfrichter haben es schwer, in dem Gedränge vorbei zu kommen und so kommt für einen kurzen Moment ein Gefühl von Ausreisergruppe bei der Tour de France auf. Am Ende der Schnellstraße wartet mit dem Aufstieg zur Alpe du Grand Serre der erste Hammer. Unten gibt es noch die erste Verpflegungsstelle. Interessant ist, dass es beim Alp d´Huez Triathlon nur 0,5l Flaschen gibt. Schade ist, dass die Flaschen hier und heute nur zur Hälfte gefüllt sind. Das soll sich gleich noch auf den nun folgenden 16 KM und 1.375 Höhenmetern Anstieg rächen. Glücklicherweise folgen die unendlichen Serpentinen weitestgehend im Schatten. Möglichkeiten sich abzukühlen oder anderweitig Wasser zu beschaffen gibt es hier eh nicht.

Die ersten Sportler müssen schon auf das größte Ritzel der Kassette schalten während andere sichtlich zu tun haben, den Kopf mental in die richtige Richtung zu bringen. Oben angekommen zeigen sich die französischen Alpen von ihrer sonnigen Seite. Die Verpflegungsstelle ist wie alle weiteren heute mit viel Liebe betreut. Von Wasser über Iso, Cola, Himbeersirup, Obst, Gels und Riegel gibt es eigentlich alles, was das Sportlerherz begehrt und braucht. Der Blick auf das Thermometer verrät, dass es mit 44°C heute wirklich um das Thema Temperaturmanagement geht. Die erste schnelle Abfahrt fühlt sich daher auch gleich an, als hätte der Vater des Triathlons den Heißluftfön heute direkt auf die Dreikämpfer gerichtet. Mit 70 km/h geht es hinab und der eine oder andere Fahrer findet sich plötzlich hinter der Seitenmarkierung oder im Dornengebüsch wieder. Der Anstieg zum Col du Mallisol fällt dann mit 5 KM und durchschnittlich 7% fast nicht ins Gewicht. Inzwischen wässern wir uns regelmäßig mit den zwei Flaschen im Rücken um den Körper und vor allem den Kopf kühl zu halten. Die Konzentration muss hoch bleiben denn auch die Anzahl der Blaulichteinsätze auf Motorrädern und durch die Feuerwehr nimmt sichtlich zu. Durch dürre aber wunderschöne Landschaften zieht sich das Feld dahin. Immer wieder bleibt Zeit um die Aussicht auf die hohen und sagenumwobenen Anstiege der Tour de France Geschichte zu richten. Und dann kommt plötzlich das Hinweisschild zum Col d’Ornon. Über 14 KM ziehen sich die 1.367 Höhenmeter und zwar absolut trügerisch. Am Anfang führen die Kurven nahezu gemütlich tief ins Tal hinein. Die kleinen Dörfer lassen die Vermutung zu, den letzten Louis du Funes Film hier gedreht zu haben. Man unterhält sich im latent hinauf führenden Anstieg. Doch plötzlich brennt die Sonne mit voller Wucht von oben. Häuser gibt es immer weniger. Und auch die kleinen Brunnen am Straßenrand, an denen man sich gerade noch abkühlen konnte, fehlen jetzt. Der Planet drückt! Die Vegetation wirkt verbrannt und wer nicht aufpasst und das Tempo nicht hoch hält, wird jetzt von den unzähligen Bremsen gebissen, die hier nur auf die Triathleten warten. Immer steiler ziehen sich die Serpentinen zum Col d´Ornon empor - diesem Tour de France Pass der höchsten Bergkategorie. Lippowitz, Pogacar, Politt, Pinot und all die anderen großen Namen stehen hier noch in übergroßen Buchstaben auf die Straße gemalt. Spannend ist auch die Tatsache, dass heute die Kampfrichter nicht wie gewöhnlich ausschließlich auf dem Motorrad sitzen sondern mitten drinnen im Feld mitfahren. Klar erkennbar aber doch mit einem handelsüblichen Rennrad. Das schafft Vertrauen und der eine oder andere Fahrer, der am Straßenrand pausieren muss, nimmt die aufbauenden Worte der Franzosen dankbar an.

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An der Bergwertung des Col d’Ornon wartet dann die ersehnte Verpflegungsstation. Die Fahrer halten an und kippen sich erst einmal drei, vier Wasserflaschen über den Körper bevor getrunken wird. Direkt danach geht es zur letzten Abfahrt hinab nach Le Bourg-d'Oisans, Fast 80 km/h zeigt der Tacho und die kleine Stimme im Kopf sagt: "Es wird Dir schon niemand entgegenkommen." Manch ein Sportler hat das Messer aber zu fest zwischen die Zähne genommen und findet sich plötzlich an der Leitplanke wieder. Glück haben die, die nur einen Materialschaden davon tragen. Sieg oder Akja lautet die Devise und die Medics haben jetzt alle Hände voll zu tun. Im Tal wartet dann die kurze Verbindungsstraße ins Zentrum von Le Bourg-d'Oisans. Die Zuschauer klatschen, Die Sonne brennt und vor uns türmen sich schon die 21 Kehren, 14 KM und über 1.100 Höhenmeter mit bis zu 14% Steigung auf. Nach 2.3 KM Schwimmen und fordernden 104 KM Rad wartet jetzt der Königsanstieg nach Alp d´Huez. Die ersten drei Kehren sind die schlimmsten. Obwohl wir gefühlt mit 45 km/h in den Berg ballern, zieht es uns sofort den Stecker. Die Luft und auch wir stehen plötzlich direkt in der Wand. Als würde jemand von hinten mit dem Seil an uns ziehen. Wir gehen aus dem Sattel und hoffen nur noch, nicht in Serpentinen auf die andere Straßenseite fahren zu müssen um das Absteigen zu vermeiden. Stück für Stück geht es empor. Eine Kehre nach der anderen zieht sich dieser Anstieg elendig lang dahin. Jeder Fleck Schatten wird genutzt um aus der Sonne zu kommen. Jede Wasserstelle und jeder Wasserschlauch wird genutzt um die Körperkerntemperatur nicht explodieren zu lassen. Das Mädel hinter uns hat die Melone nicht vertragen und bricht regelmäßig auf die Straße. Kurz danach geht sie aus dem Sattel und zieht wieder vorbei. Das Schauspiel soll sich noch ein Dutzend Mal wiederholen. Jeder kämpft hier seine eigene Schlacht und es ist uns ein völliges Rätsel, wie man diesen Berg in 35min empor klettern kann. "Ulle war sauber" steht in großen weißen Buchstaben auf der Straße. "GOAT Pogi" steht direkt darüber. Und selbst der größte Doper aller Zeiten, Lance Armstrong, hat hier offensichtlich noch eine große Anhängerschaft. Dieser Anstieg ist episch und gibt diesem Triathlon noch einmal eine völlig neue emotionale Dimension.

Weiter oben wartet die Fan Zone. Die Franzosen machen es den Begleitern möglich, mit der Seilbahn dorthin zu gelangen und trotzdem rechtzeitig zurück in der Wechselzone T2 zu sein. Die Stimmung ist super. Jeder wird mit Namen angebrüllt und manchmal sogar mit einer gezündeten Pyro angetrieben. Selbst nach der letzten Kehre geht es weiter bergauf, den Alp d´Huez ist ein riesiger Wintersportort. Die letzten 600m geht es dann flach durch den Ort zum zweiten Wechsel des Tages.

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Leider fehlt auch hier die Sitzgelegenheit. Der rechte M. Quadriceps Femoris hat dann wohl doch zu viel Watt im letzten Anstieg getreten. Das Binden der Schnürsenkel fällt somit schwer. Kappe richten, Brille aufsetzen, Gels in die Rückentasche des Fusion Einteilers und ab auf die Laufstrecke. Direkt am Ausgang der Wechselzone befindet sich auch gleich der Wendepunkt für die drei Laufrunden. An der Laufstrecke stehen die Fans gefühlt in drei Reihen hintereinander. Es geht aus dem Ort raus in Richtung Flughafen und zum Col de Sarenne. Dort ist der Wendepunkt. Zwischendurch warten Asphalt, Schotter und auch Wiesenwege auf knapp 1.850m über dem Meer. Drei Runden á 6.5 KM mit jeweils etwa 100 Höhenmetern sind zu absolvieren. Die Strecke ist teilweise schmal aber sehr abwechslungsreich und ganz sicher nichts für sensible Schönwetterläufer, die nur das Stadionoval und die Straße gewohnt sind. Aber auch hier zeigt sich die perfekte Organisation. Vier Verpflegungsstationen pro Runde sprechen eine deutliche Sprache. Obst, gesalzenes Gebäck, Cola, Iso, Wasser und den weltberühmten französischen Minzsirup (sirup de menthe) gibt es hier. Dazu Musik aus unterschiedlichsten Tonabspielgeräten. Nach für uns quälend langen Runden geht es endlich in den Zielkanal inmitten auf dem Sportplatz. Dort gibt es nicht nur die Medaille sondern heuer auch einen Strohhut. Als wolle einen der Veranstalter direkt an die Cotê d´azur bringen. Selbst die inzwischen leeren Kohlenhydratspeicher können mit frischen Nudeln aufgefüllt werden. Daneben gibt es allerlei Getränke, Süßes oder einfach ein paar Nüsse.

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Alles in allem zählt der Alpe d´Huez Triathlon für uns zu einem der schönsten Wettkämpfe der letzten 30 Jahre Laufladen Erfurt Erlebnisse. Diese familiäre Atmosphäre, gepaart mit einer hochprofessionellen Organisation ohne den Kommerz in den Vordergrund zu stellen ist einzigartig. Vor allem die Tatsache, dass die ganze Familie mit Duathlon, Kindertriathlon, Mittel und Langdistanz das passende Format finden kann sollte viel mehr Nachahmer finden. Und natürlich sind die Emotionen auf der Originalstrecke der Tour de France unter Wettkampfbedingung fahren zu können von einer ganz anderen epischen Natur. In diesem Sinne: Bon Chance a tous!

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