Iten, die Wunderläufer Kenias und HELGA

Es ist kurz vor Weihnachten. Der Höhenmesser zeigt über 2.300 Meter über Meereshöhe an. Die Sonne kitzelt am Horizont den Himmel in ein ganz leichtes Morgenrot. Der Wecker hat kurz nach 05.00 Uhr geläutet und dennoch treffen sich fast 100 Läufer beider Geschlechter an der Kreuzung oberhalb der Kerio View. Das liegt in Iten und im Hochland Kenias. Eldoret ist auch nicht weit entfernt und wir befinden uns im Zentrum der Wunderläufer des schwarzen Kontinents. Jean-Paul hat uns am Abend empfohlen, doch einmal eine Morgenrunde mit den Jungs und Mädels zu laufen. Laufsachen haben wir natürlich dabei und so stehen wir an diesem 23.Dezember am Startpunkt der 14km langen Runde. Begrüßt werden wir hier mit der typisch kenianischen Formel: „Jambo! Jambo!“  was soviel bedeutet wie „Hallo, wie geht´s?“

Jambo, Jambo und 5,15940 Volumenprozent

Bevor es am Nachmittag dann gemeinsamen Tee und Zuckerrohr gibt, quälen wir uns erst einmal über die Laufrunde. Die Höhe lässt die Schnappatmung schon beim 6:30er Schnitt auf den Kilometer aufkommen. Die Regenfälle der Vortage lassen uns nicht nur schwitzen sondern bringen die westeuropäischen Körper auch sehr flott ins Schlingern – aufgrund der dunkelroten und aufgeweichten Erdmassen unter unserer Trailsohle. Die lokalen Afrikaner schweben statt dessen nur vor sich hin und freuen sich schon auf die endbeschleunigten Kilometer kurz vor dem Ziel. Ein paar Wochen vorher ist Eliud Kipchoge als erster Mensch die Distanz über 42,195km in 1:59,40 Stunden gelaufen. Und wir denken an diesem Abend mit Blick über die Hochebene Kenias: Warum eigentlich nicht ein Läuferbier HELGA in der Jambo Edition brauen? Etwas dunkler, trüb, leicht rötlich und mit ca. 5,15940% Alkohol in Anlehnung an Eliud und die rote Erde um Iten soll es werden.

Anti Depression mit Jürgen & neues Melanoidin Malz

Ein halbes Jahr später sollte sich alles geändert haben. Die olympischen Spiele sind verschoben. Die Läufer in Kenia dürfen noch immer nicht reisen und unsere Vorräte an Läuferbier HELGA neigen sich trotz Corona langsam dem Ende entgegen. Gemeinsam mit Erfurter Läufern geht es nach dem morgendlichen Dauerlauf an der Gera direkt nach Memmelsdorf. Braumeisterin Isabella wartet wieder mit knapp 200kg Malz aus Bamberg in der Drei Kronen Brauerei. Ein paar Novizen sind dabei uns so spazieren wir erst einmal ein wenig durch die fränkische Toskana zum Göller im Nachbarort. Die letzten Feinheiten für die Rezeptur werden besprochen. Und da der Krenzer Jürgen gerade Probleme mit seinem Anti-Depressions-Bier hat, helfen wir ihm noch beim Einladen. Als Belohnung dürfen wir schon einmal Zwickeln am Pils. Danach geht es direkt zum Schroten. Das ist quasi der Auftakt zum zweiten Sud HELGA im Jahr 2020. Die Novizen lernen den Unterschied zwischen Gerste und Schrot und wir sind schon gespannt, wie intensiv das erstmals verwendete Melanoidin Malz wird. Die Vorgabe ist dabei klar: Etwas dunkler mit einer leichten Anlehnung an die rote Erde um Iten soll es werden. Helgas Reminiszenz an den Wunderläufer aus Eldoret & Iten: Eliud Kipchoge.

Läuferbierphilosophie

Wir wären ja keine Läufer, wenn wir nicht auch das zwischenmenschliche Miteinander pflegen würden. Bei feiner fränkischer Küche im Gasthof Drei Kronen wird wieder über Läufe, das Leben und die Liebe philosophiert. Was macht ein gutes Läuferbier aus? Welche Läufe sollte man als Thüringer einmal mitgemacht haben? Warum gibt es so viele Volksläufe ohne Alleinstellungsmerkmal? Warum zieht es immer mehr Läufer zu Extremen wie Super- & Ultramarathon oder Hindernisläufe? Die Antworten sind vielfältig einerseits und doch so klar andererseits. Wir haben alle übereinstimmend das Gefühl an diesem Abend, dass die Menschen auf der Suche nach Erfüllung und Ankommen sind ohne wirklich bewusst zu gehen, zu laufen, zu leben. Stattdessen laufen viele auf einer vermeintlichen Reise von A nach B ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Medaillen haschen hier. Supermarathon abhaken auf der To-Do-Liste des Lebens dort. Sich bewusst bewegen (unabhängig vom Tempo) und das möglichst lange machen die wenigsten. Dabei wäre es so wichtig, mit Achtsamkeit im Hier und Jetzt zu agieren. Gerade jetzt in einer sich abzeichnenden Post-Corona-Zeit. Zu später Stunde wird es dann immer philosophischer.

Tag 2 – Läufer trinken Läuferbier oder kontrollieren den Sudkessel

Zweiter Tag. Der Wecker klingelt früh. Die Meisterin will um 7.00 Uhr loslegen also stehen wir parat. Unsere Neulinge haben die große Ehre, die ersten Säcke geschrotetes Malz langsam und behutsam in den Kessel rieseln zu lassen. Danach heißt es erst einmal frühstücken. Gemächlich wird der Kessel immer weiter aufgeheizt. Sonst haben wir zu diesem Zeitpunkt immer Luft zum Dauerlauf. Da beim Jürgen die Tage vorher so einiges an unerwarteten Aufgaben kam, wollen wir auf Nummer sicher gehen. Neben dem Treber wird auch immer wieder die Temperatur kontrolliert. Der Sud nimmt langsam einen kastanienfarbenen Rotton an, der mich sofort an die verschlammten Laufstrecken um Iten erinnert. Das Rohr zur Kontrolle der Stammwürze leckt noch immer. Das hat den Jürgen am Abend vorher fast zur Verzweiflung gebracht. Wir gehen derweil schon in die Blindverkostung der unterschiedlichen Hopfensorten. Geruchskontrolle, Abwiegen und Vorbereiten. Dazwischen den alten Treber zur Abholung vorbereiten und immer wieder ein Auge auf den Braukessel werfen.

Vom Zwickeln und „drinkability“

Die Hefebirne aus Merkendorf müssen wir heute nicht holen Die Gefahr einer Explosion ist somit nicht gegeben. Die Hopfengaben stehen an. Der Jodtest gibt Auskunft über den Stärkeabbau und duften tut es inzwischen auch schon mächtig nach leckerem Malzbier. Während die älteren Läufer unter uns gespannt mit der Meisterin zwickeln, müssen die jungen Hüpfer ans Putzen. Kühlschiff schrubben, Treber transportieren, Würzepfanne reinigen und und und. Zwischendurch wird wieder die Stammwürze gemessen. Per Spindel wird noch ganz altmodisch gemessen. Die Löcher beim Krenzer Jürgen vom Vortag haben wir nochmal ganz in Ostmanier mit Panzerklebeband geflickt. Es wäre ja auch unklug, wenn sich die Würze mit Wasser verdünnt beim Messen. Es scheint, als führt die Spurt verändertes Malz zu der gewünschten Trübung für eine wunderbare Hochsommer-HELGA. HaLu, der Vater unserer Braumeisterin Isabella pflegt ja immer zu sagen: „So ein Bier muss eine hohe drinkability haben!“ Und genau das soll ja auch wieder die HELGA haben – ein Läuferbier, was Lust auf mehr macht. Zwischendurch wird wieder gezwickelt, also am Lagertank fachmännisch geprüft, ob das Bier auch wirklich gut gelagert ist. Offensichtlich macht sich inzwischen das fehlende Frühstück bemerkbar. Nach dem zweiten Zwickel philosophieren wir schon wieder über die nächsten Möglichkeiten. Peter hat dabei als Ingenieur den glorreichen Einfall, Geste in der Mälzerei doch mal mit Orangensaft statt Wasser zu wässern. Wir behalten das jedenfalls im Auge.

Divenhafte Hefen und zarte Männer

Die Ventile zum geputzten Kühlschiff sind offen. Heraus kommt die heiße HELGA. Der Raum ist voller Wasserdampf und hüllt alles in ein romantisches Sommerabendlicht. Danach kommt noch das Abpumpen in den Gärtank und die vorerst letzte Hopfengabe. Das zarte Hinzufügen der Hefe überlassen wir wieder Frank und den Novizen, denn die können am besten mit der divenhaften Gattung umgehen. Jetzt heißt es wieder warten und geduldig sein. Die neue HELGA wird vermutlich Mitte August abgefüllt und dann noch per Hand im Laufladen Erfurt etikettiert – jede der 2.000 Flaschen einzeln per Hand. Pünktlich zum Spätsommer gibt es dann auch wieder das Sommer-Läuferbier HELGA. Danach ist dann auch wieder Schluss für dieses Jahr.

Tagesausklang beim Knoblach

Acht Stunden Brauen liegen hinter uns. Alles scheint geklappt zu haben. Der Wert an Stammwürze lässt die von uns erhofften 5,15940 Volumenprozent erwarten. Hunger haben wir jetzt auch und so geht es ins Nachbardorf zum Knoblach nach Schammelsdorf. Der Biergarten ist voll und wir müssen uns erinnern, dass Franken ja zu Bayern gehört und somit die Maskenpflicht auch unter freiem Himmel im Biergarten gilt. Den Tagesausklang bei Bier und fränkischem Salat gibt es dann aber dennoch und wir freuen uns schon auf den August.

Weil wir das Laufen lieben.

Die wahre Geschichte zum Läuferbier

Wer mehr wissen möchte, findet übrigens unter www.läuferbier.de die ganze Geschichte zum Läuferbier.

Läuferbier HELGA
  • Läuferbier Liebhaber

    1. Laufladen Erfurt Lachsgasse 3, 99084 Erfurt (Flaschenbier, Bierdeckel, Gläser)

    2. Mühlencafe, 99869 Ballstädt, Sa + So von 13:00 – 19:00 Uhr geöffnet (Flaschenbier)

    3. Die Korkenzieherin, Lange Brücke 12, 99084 Erfurt (Flaschenbier)

    4. Grundmühle im Weißbachtal, Orphaler Weg, 99100 Erfurt (Flaschenbier)

    5. Frau Granate, Große Arche 2, 99084 Erfurt (Flaschenbier)

    und vielleicht noch in Ihrem Lieblings-Läuferbier-Lokal?

    Denn seit 24.August 2020 gibt es die letzte HELGA für das Jahr 2020 in der Jambo Jambo Edition .