Die Reise in die schottische Rhön mit dem Laufladen Erfurt

Ein Freitag Nachmittag im Frühjahr 2018. Eigentlich seit 10 Jahren ein wiederkehrender Termin um in die Rhön zu fahren. Vor genau einem Jahrzehnt begann dort einer der ersten Hindernisläufe seinen Erfolg. Die Rede ist oder besser gesagt war vom Braveheart Battle. Denn dieses Jahr ist alles anders. Der Veranstalter ist insolvent und der Lauf abgesagt. Wir haben uns dennoch entschieden, vom Laufladen Erfurt das reservierte Hotel von Krenzers Rhön anzusteuern. Es lebe die Freiheit. Pünktlich geht es also mit der kleinen Laufgruppe gen Süden. Genauer gesagt fahren wir in die schottische Rhön. Das Dreiländereck zwischen Hessen, Bayern und Thüringen erinnert wirklich sehr stark an die Insel im Westen Europas. Am Ziel angekommen merkt man gleich das schottische „Outback“. Handyempfang – Fehlanzeige. Nebelschwaden ziehen über die Moorlandschaft. Nur selten begegnen uns noch Menschen auf den Straßen und am Horizont, so glauben wir, ziehen schon die Geier ihre Kreise um die Wasserkuppe oder den Kreuzberg. Am Abend wartet zunächst die Schaukelterei. Der Apfelwinzer des Jahres 2017, Jürgen Krenzer, führt uns durch die heiligen Anlagen von Apfelwein, Apfelsaft und auch ApfelSherry. Zum Abschluss des Tages wartet eine typische rhöner Brotzeit mit allerhand regionaler Spezialitäten. Das Besondere an Krenzers Rhön ist immer wieder die Fähigkeit, regionale Partner vom Konzept der lokalen Spezialitäten zu überzeugen. Schmecken tut es allemal – auch wenn man sich fleischlos ernähren möchte.

Braveheart Battle Ersatzlauf mit Mandy

Natürlich startet der Samstag standesgemäß mit Regen und kalten Temperaturen. Wie wir lernen, beginnt der gemeine Rhöner bereits bei positiven Außentemperaturen von jenseits der 2°C Sonnencreme aufzutragen. Pünktlich um 10.00 Uhr sind wir zum Ersatzlauf für den ausgefallenen Braveheart Battle verabredet. Mandy ist dabei neu in unserer Mannschaft. Mandy ist auch noch ein wenig steif, denn Mandy ist das Maskottchen von Krenzers Rhön – Mandy ist ein Rhönschaf. Nach einer kurzen Einweisung geht es los. Mandy darf den Boden nicht berühren und sollte nicht dreckig werden hieß es vom Trainer. Zusätzlich sollten wir noch einen Rucksack mitnehmen. Zu dessen Inhalt wir auch nach 3,5 Stunden nicht wirklich viel sagen konnten. Quer geht es anfangs über Wiesen und dem romantischen Bachlauf empor. Im Wasser spiegelt sich noch das Eis der eiskalten Nacht. Die Eisschollen an den weniger stark fließenden Bachabschnitten türmen sich zu bizarren Formen auf. Zum Glück laufen wir über die Brücken und müssen noch nicht durch das eiskalte Nass. Den Duft von frisch aufgewühltem Waldboden schmecken wir dennoch schnell in der Nase. Denn Boris Lehmann lässt uns immer wieder rechts und links die Steigungen empor laufen. Mandy immer mittendrin. Versprochen war uns die weltberühmte Schäfer-Wagen-Sauna. Dumm ist nur, dass offensichtlich das Holz ausgegangen ist. Im privaten und seit 50 Jahren unbewirtschafteten Wald kämpfen wir uns mit Axt und Mandy den Berg hinauf. Der Trainer sucht sich die Filetstücke holziger Natur aus und macht kurzen Prozess. Jeder Läufer bekommt seinen persönlichen Stamm – mal kleiner und manchmal größer. Am Ende des Anstieges erscheint uns der Wald wieder ordentlich und auch wir haben genügend Feuerholz für den Kamin am Nachmittag beisammen.

Training in der Gruppe ohne Allüren

Natürlich im Quellgebiet gibt es die erste kleine Pause. Bänke werden gefühlte Stunden über dem Kopf gehalten, Liegestütze im Schnee gemacht oder ein paar Übungen für den Waschbrettbauch abverlangt. Wir merken sehr schnell, dass der Platz nicht willkürlich ausgesucht wurde, denn überall um uns herum sprudeln die kleinen Quellen schönstes rhöner Wassers aus dem Boden. Das der Pops dabei ein wenig nass wird, scheint in die Trainingsmethodik zu passen. Aber bevor wir eine Verbindung zwischen Großhirn und verbaler Artikultion herstellen können befinden wir uns schon wieder im Krebsgang. Das Auto vom Hotellier muss geschoben werden. Irgendwas scheint mit der Kupplung defekt zu sein. Zufällig liegt unser Holz auf dem Weg und wir dürfen die kleine Pause des Verladens zum Verschnaufen nutzen. Huckepack, akrobatische Sprungbewegung über Heuballen schottischer Hochlandrinder und andere kleinere Schweinereien folgen fast nahtlos. Plötzlich reißt der Himmel auf. Die pure Sonne strahlt Mandy ins Gesicht und wärmt unsere Füße gleich mit. Denn trotz der Plusgrade ist es noch ziemlich kalt im Wasser-Schnee-Gemisch auf knapp 900m.N.N Wir sind am schwarzen Moor angekommen. Lange drei Kilometer ist der Bohlensteg durch diese unwirkliche Umgebung. Sehenswert allemahl laufen wir vorbei an Informationstafeln zum Moor und seinen Zusammenhängen, zur Flora und Fauna und auch zur Besonderheit dieses Naturphänomens.

Meterdicke Eisschollen und keine Waschanlage

Bevor es in Richtung Ziel geht, wartet noch ein Höhepunkt. Sprichwörtlich am höchsten Punkt der Strecke muss sich Boris mit der Axt durch das meterdicke Eis des schwarzen Loches im schwarzen Moor kämpfen. Schnell wird uns auch klar, weswegen am linken Rand ein Seil gespannt ist, denn so flach wie es auchschaut, ist das Loch dann doch nicht. Am Ende drängelt sich die ganze Gruppe hüfttief im schwarzen Morast und glaubt fest daran, dass es ab einer gewissen Moortiefe wieder wärmer wird. Über die ehemalige innerdeutsche Grenze geht es zurück. Über Wiesen, Schneewechten und Steinmauern aus postschottischer Zeit geht in schnell wieder ins Tal. Der abschließende Laufabschnitt durch den 0°C kalten Bach lassen schnell die Füße kalt werden. Zum Glück ist ja Mandy dabei, denken sich da einige Sportler. Kurz vor dem Ziel sind aber nicht nur die Füße wieder warm sondern auch wir wieder sauber. Die Sauna ist schon angeheizt und wartet mit rhöner Fichtenaufguss. Passend dazu serviert Jürgen uns sein Team Apfeltiramisu, Seifertser Krautpfanne und sortenreinen heißen Apfelsaft aus der eigenen Kälterrei. So könnte eigentlich jedes Training enden. Am Ende stehen zwar nur kanpp 15 KM auf der Uhr. Nach 3,5 Stunden reicht es dem Körper aber für heute und es wartet ja noch der genüssliche Teil der Reise.

R.A.S.T. – Rhöner Apfel Sherry Theater

Laufreisen mit dem Laufladen Erfurt sollen ja auch immer eines sein – entschleunigend. Aus diesem Grund wartet am Abend noch das Rhöner Apfel Sherry Theater mit Jürgen Krenzer persönlich. Von den Anfängen der Geschichte bis zur letzten Reise auf der Suche nach Whiskyfässer in Schottland. Vorbei an Begegnungen der besonderen Art hin zum heutigen Erfolg regionaler Spezilaitäten und einzigartiger Produkte. Zum Abschluss darf jeder die aufgebahrten 25 ApfelSherry Sorten verkosten. Auch die neuen Kreationen aus ApfelWhiskey stehen zur Degustation zur Verfügung. Dr. Franks Grannenabwerfende Imperialgerste lässt den Abend ausklingen – gemütlich und erholt. Zur aktiven Erholung gibt es am Sonntag noch eine Einheit mit der Faszienrolle. Der eine oder andere Stöhner lässt sich da nicht vermeiden – Mandy war aber auch manchmal schwer auf dem Rücken zu tragen… Am Ende sind drei Tage und zwei Nächte schneller vorbei als gedacht. Der Frühling ist inzwischen auch in der Rhön angekommen und wir fragen uns, ob es hier schon bei 10°C hitzefrei gibt. Auszeit vom Alltag. Erholung durch sportliche Bewegung. Bewusst sein durch Genuss. Das waren grob formuliert die Ziele der Laufreise zum Braveheart Battle 2018. Und auch wenn der Lauf abgesagt wurde, haben wir gesehen, dass man auch ohne fixe Vorgaben sehr viel Spaß haben kann. Und vielleicht entschließt sich ja nun auch der Chef Jürgen Krenzer einmal, für das große Finale in Rudolstadt zu trainieren.