Der große Laufschuhtest 2020

70 KM. 600 HM und viele Eindrücke.

Laufschuhtest 2020

Es ist Mitte Februar. Das Training mit der Laufgruppe am Riechheimer Berg ist vorbei und von Nordwesten kündigt sich schon Sturm Sabine an. Gestern Abend kam schon die Nachricht, dass man Verständnis hätte, wenn sich Läufer vom ersten großen Laufschuhest 2020 abmelden. Abmelden? Wir? Erfurter? Wir, die sich seit letztem Mittwoch eigentlich schon im Auge des politischen Sturms der westlichen Welt befinden sagen doch nicht wegen eines Lüftchens wie Sabine ab. Wir lieben die Herausforderung und eine Stunde später sitzen Daniel, Hendrik und ich frisch gestriegelt im Bus zur Sportschule Hennef (Sieg). Die Redakteure von laufen.de und die Laufprofis vom Einkaufsverband Sport 2000 haben zum großen Laufschuhtest 2020 eingeladen. Über 110 Laufprofis aus ganz Deutschland sollen die neuen Frühjahresmodelle unter die Lupe nehmen und berichten. Daniel, Hendrik und ich gehören wieder dazu. Als der Wecker am nächsten Morgen klingelt, müssen wir uns aufgrund des Muskelkaters vom Vortag seitlich aus dem Bett rollen. Aber so ein Laufschuhtest verspricht ja immer auch die Möglichkeit zum entspannten Auslaufen…

Viele Firmen und Sabine

Diesmal sind wir wieder deutlich zu früh dran. Während die ersten Laufschuhfirmen noch fleißig aufbauen, begutachten wir erst einmal die Sportschule. Uns fehlt spontan die Möglichkeit zum ebenen Lauf außerhalb der Sportschule. Überall geht es eigentlich nur bergauf oder bergab. Und auch Sabine hat ganz schön reingehauen. Überall sieht man Waldbruch. Aber wir drei wollten ja eh die neuen Schuhe in artgerechter Umgebung an der frischen Luft laufen und nicht die nächsten 20 Kilometer in der Drei-Felder-Halle unter dem Hallendach drehen. Zu sehen sind später die Zelte von Asics, On, Brooks, Hoka One One, New Balance, Saucony, Hoka, Karhu, Diadora, True Motion, Salomon , Mizuno, UltraSports, Currex und schon im Parkhaus der Sportschule – wieder die ominöse schwarze Mercedes G-Klasse mit großem Nike Aufkleber. Dazu aber später…

Keine Werbung sondern Gefühl

Im Schwerpunkt geht es uns bei dem Lauschuhtest immer darum, einen möglichst ungefilterten Eindruck von den neuen Schuhen zu erhalten. In den Laufladen Erfurt sollen immerhin nur die besten Modelle der Saison kommen. Bei unseren Vorordern gibt es leider meist nur eine Mustergröße und die kann dann auch nie im wahren Umfeld des Läufers getestet werden. Das bedeutet, dass wir in Vorbereitung auf solch einen großen Laufschuhtest eine Liste mit Schuhen erstellen, die es bald im Laufladen Erfurt gibt und die müssen sprichwörtlich auf Herz und Niere getestet werden. Auf den nachfolgenden Zeilen geht es daher weniger um nackte Fakten wie Sprengung, Gewicht und technische Details. Vielmehr ist uns wichtig, über unsere Gefühle und Eindrücke beim jeweiligen Schuh zu berichten. Das mag nicht immer objektiv sein. Aber genau das ist die Wirklichkeit. Jeder Läufer empfindet anders und genau das ist das Schöne daran. Eines dürfen wir jedoch bereits vorweg nehmen: Unsere beiden Chefeinkäufer haben für das Frühjahr/ Sommer 2020 eine wirklich gute Arbeit gemacht, denn keines, der von uns primär getesteten Modelle, ist durchgefallen.

Komfortversprechen von Brooks

Defyance 11

Der erste Schuh des Tages überzeugt gleich mit einer enorm hohen Messlatte. Der neue Brooks Defyance kommt in der elften Ausführung nahezu völlig überarbeitet. Daniel fässt es später zusammen mit: „Anziehen und loslaufen!“. Das trifft es ganz gut. Der neue Defyance 11 ist ein runder Schuh mit dem man sofort einen langen Lauf machen möchte und sicherlich auch kann. Uns überzeugt das durchgängige und harmonische Abrollverhalten. Da ist kein abrupter Übergang zwischen Ferse und Vorfuß sondern ein seichtes Dahingleiten. Gerade Läufer, die über die Ferse aufkommen, dürfen sich auf ein sehr angenehmes und weiches Gefühl des Eintauchens freuen. Auch der neue Defyance ist dabei ein neutral-stabiler Laufschuh und übernimmt Verantwortung in der Führung des Läufers. Dennoch macht er auch im Mittel – und Vorfußlaufstil auf festem Untergrund und zügigem Tempo eine gute Figur. In die Kamera sagen wir am Ende des Tages, dass es unsere Eier legende Wollmichsau ist. Geeignet für Läufer von 5km bis hin zum Marathon.

Levitate 3

Offensichtlich sind wir für die Jungs von Brooks etwas zu früh schon in Höchstleistung. Denn zu den Neuerung des Levitate 3 kommt vom angeblichen Experten nicht viel. Also müssen wir später selbst recherchieren. Das Obermaterial aus Flachstrick wurde überarbeitet. Weiter wurde im Innenleben eine Art Kragen für den Mittelfuß eingefügt. Der verbesserte Innenschuh schmiegt sich tatsächlich schön an den Fuß beim Laufen. Dass die Zunge nun eingearbeitet ist und die Schnürung sich maßgeblich verändert hat, verschweigt man uns dezent. Wir merken es bereits nach 100m im sanften Anstieg den Waldweg empor und müssen nachschnüren bzw. das letzte Loch wieder frei machen. Denn die neue Schnürung hat uns alle drei sehr eingeengt. Im Vergleich ist der Levitate weniger komfortabel und rechtfertigt unserer Meinung nach auch nicht den Preisunterschied. Obwohl die Fersenkappe weiterhin aus Velours ist, reizt sie Hendrik mehr als sie eigentlich soll. Durch das Flachstrickverfahren im Obermaterial wirft sich auch die eine oder andere Falte in der Abdruckphase, was dem guten Gesamteindruck aber nicht schadet. Sowohl auf der Straße, im feuchten und von Sabine bearbeiteten Wald, als auch auf der Aschebahn überzeugt der Levitate 3 mit seiner Griffigkeit. Lediglich auf nassem Asphalt und Betonplatten, wie sie seltenst unter der Fußsohle zu finden sind, kommt der Schuh ein wenig ins Rutschen. Zwei Dinge müssen wir am Ende noch anmerken. Die DNA-AMP-Mittelsohlen-Technologie soll theoretisch die Energie an den Läufer zurück führen. Merken tun wir das zwar nicht aktiv, gestehen aber dennoch, dass der Levitate 3 diese unterschwellige Einladung zum läuferischen Verweilen suggeriert. Zum anderen erfahren wir, dass Brooks offensichtlich das Problem des Sohlenbruchs in den Griff bzw. die Ursache dafür herausgefunden hat.

Bedlam 2

Für uns die deutlich bessere Neuerung spürt man im neuen Brooks Bedlam 2. Zwar kommen die selben Änderungen wie im Levitate 3 in puncto Obermaterial und aktualisiertem Kragen im Mittelfuß sowie der Anordnung der Schnürung. Jedoch merken wir zu keiner Zeit dieses einengende Gefühl. Schon beim ersten Reinschlüpfen stellt sich ein behagliches Gefühl ein. Die ersten Kilometer fliegen dann auch nur so dahin. Entwickelt für Läufer mit ein paar Kilo mehr bietet der neue Bedlam 2 nicht ganz so viel Komfort wie bspw. der Transcend. Dafür ist die Dämpfung aufgrund der verbauten DNA-AMP-Mittelsohle spürbar dynamischer als die ersten Ausgaben. Unsere Empfehlung geht hin zu Läufern, die jene Sicherheit durch komfortable Bewegungsabläufe auf der Straße und trockenen Waldwegen suchen. Wenn jemand koordinativ gut aufgestellt ist, hat er mit dem Bedlam 2 aber auch einen treuen Begleiter im feuchten Steigerwald oder die Drachenschlucht hinab. Die Fersenkappe sitzt tadellos, schnürt nicht ein und führt gemeinsam mit den GuideRails den Läufer bis zum Marathon.

Transcend 7

Sabine dreht inzwischen noch einmal auf und schickt die peitschende Gicht waagerecht über das Gelände der Sportschule. Mit dem neuen Transcend 7 am Fuß kämpfen wir uns unter den verdutzten Blicken der langsam eintrudelnden Kollegen wieder in den Wald. Beim Anziehen ist uns sofort die veränderte Führung der GuideRail aufgefallen. Diese fasst nun nicht mehr den kompletten Fuß ein sondern läuft nur noch etwa von der Ferse bis zum zweiten Drittel des Mittelfußes. Spontan stellen wir den Transcend 7 hinter den Defyance auf Platz 2, was den Komfort betrifft. Uns überzeugt ohne wenn und aber der breite Vorfuß und breite Aufbau der Mittelsohle. Dort ist nun DNA Loft verbaut, was uns mehr an ein Boxspringbett erinnert als an einen Laufschuh. Ausgelegt für schwere Läufer oder jene, die nach der Arbeit einfach einmal den Kopf frei bekommen möchten. Auch der neue Transcend verspricht und hält genau dieses Versprechen. Der Läufer soll sich keine Gedanken über Sicherheit und Dämpfung machen. Er soll maximale Dämpfung und Unterstützung bekommen. Daniel macht es anschaulich und spricht die Empfehlung für lange, ruhige Dauerläufe aus. Was uns allen imponiert ist der extrem gute Sitz unter und hinter der Ferse. Eingefasst wie ein Hufeisen entsteht prompt ein Führungsgefühl welches, gepaart mit dem überarbeiteten Obermaterial nichts, aber wirklich gar nichts, schwimmen oder verrutschen lässt.

Ravenna & Ricochet 2

Gerne hätten wir auch die alten & neuen Trail- und Renngranaten Cascadia, Pure Flow und Hyperion getestet. Aber wie man uns mitteilt, spielt Trail ja in Erfurt keine Rolle sondern nur im Süden der Republik. Daniel, Hendrik und ich schauen uns bei der Antwort ganz tief in die Augen, atmen durch und denken uns unseren Teil. Sollte jemals jemand diese Zeilen in der Zentrale Münster lesen: „Wir trainieren gerne einmal mit den Herren hier vor Ort unter dem Gesichtspunkt Trail & OCR…“ Nun ja, dann nehmen wir halt Vorlieb mit Ravenna und Ricochet 2. Ersterer ist immer mal wieder Diskussionsgrundlage zwischen dem Laufladen Erfurt und der Sportartikelindustrie. Die Gallier in Erfurt weigern sich bisher nämlich, den Schuh mit ins Portfolio aufzunehmen. Da ich durch die vergangenen Tests voreingenommen bin, bekommt Daniel den Ravenna während Hendrik und ich den Ricochet testen. Das Resultat fällt deutlich aus. Merkbar unter dem Defyance und Transcend fühlt sich der Fuß im Schuh wie ein Fremdkörper beim Ravenna. Eine socken-ähnliche Passform sucht man vergeblich und auch in puncto Komfort bewegt sich der Ravenna eher im Durchschnitt. Positiv ist, dass nichts reibt oder drückt. Der Ravenna ist zwar dynamisch aber sollte für unerfahrene Läufer oder Sportler mit Anspruch nicht die erste Wahl sein. Wer jedoch auf der Suche nach einer Alternative oder Ergänzung aus dem Hause Brooks ist – für den könnte der Ricochet tatsächlich etwas sein. Auch wenn wir uns im Laufladen Erfurt für die bessere Alternative, nämlich den Hyperion, entschieden haben. Als tempohärtere Version ist der Ricochet 2 zwar etwas schwammig im Vorfuß. Dennoch hat er durch seine Leichtigkeit und das ebenfalls vorhandene Flachstrickobermaterial keinen schlechten Eindruck hinterlassen.

ON RUNNING

Gleich neben den Kollegen aus Münster stehen die Schweizer von On Running. Überrascht sind wir vom mehr als ausgedünnten Angebot. Neben Flow, Swift und Stratus vermissen wir unsere Lieblingsschuhe des Cloudventure, Peak und vor allem den Ur-On-Schuh den Cloudsurfer und die neue Karbonausführung von der Laufprofi-Messe im Dezember – den Cloudflash.

Cloudflow

Nach den Komfort versprechenden Brooks sind die drei Erfurter Hasen etwas ernüchtert. Der Cloudflow läuft sich trotz Helion nicht angenehm. Das mag vielleicht nicht am Schuh liegen sondern vielmehr an unserem Gewicht. Der Vorfuß ist verstärkt und soll dadurch fester wirken. Uns kommt er zu weich vor und erinnert eher an einen ausgetretenen Laufschuh. Der Schuh übernimmt keinerlei Verantwortung sondern der Läufer muss gerade praktisch alles mitbringen, was einen guten Laufstil ausmacht. Führung, Stabilität, Stütze, Dämpfung – das alles sucht man vergeblich. Sofern man die 75kg als Mann auf der Waage des Vertrauens übersteigt. Vorstellen können wir uns den durchaus ansprechenden Schuh als Ergänzung für Lauftechnik-Einheiten, zum Ein- oder Auslaufen bzw. als modisches Accessoire zur Kick-Off-Veranstaltung beim Thüringer Unternehmenslauf. Maßgeblich sind die 6mm Sprengung für Lauf ABC & Co. prädestiniert. Wer als Frau knapp die 50kg-Marke kratzt, dürfte aber auch eine flotte Sohle mit dem Cloudflow hinlegen können. Die Griffigkeit auf Straße und festem Walduntergrund hat er jedenfalls gezeigt.

Cloudstratus

Es folgt unsere erste Überraschung des Tages. Das Passgefühl des Cloudstratus fällt deutlich besser aus. Ein doppellagige Cloudreihe und 8mm Unterschied zwischen Ferse und Vorfuß. Dazu auch auf Helion gebaut mit zusammengefügten Clouds im Vorfuß. Das Resultat ist eine Zunahme an gefühlter Sicherheit. Das Mehr an Unterbau unter der Fußsohle macht sich auch sofort beim Testlauf bemerkbar. Der Zehenbereich hat mehr Platz was wir alle als sehr angenehm empfinden. Die asymmetrische Schnürung verleiht dem ganzen Schuh dann auch noch ein perfektes Passgefühl im Obermaterial. Negativ fällt lediglich auf, dass die zu dünnen Schnürsenkel aufgehen. Betonen möchten wir aber, dass es nur bei einem Drittel der Gruppe geschieht – wenn man keine richtige Schleife binden kann… Der Cloudstratus ist einladend für alle Läufer, die Sonntag Nachmittag ihren ruhigen & langen Dauerlauf im 6:30er Tempo absolvieren möchten. Hingegen ist er eher nicht fürs anspruchsvolle Gelände gedacht. Unterhalb der bekannten Trails ist er aber vollkommen ausreichend.

Cloudsurfer

Die Jungs und Mädels von On sind pfiffig und geben uns die versteckten Cloudsurfer aus dem Auto. Noch jungfräulich sind die Schuhe und wir öffnen behutsam die Schnürsenkel. Für Daniel ist das Gefühl des Ur-On neu. Nicht mehr ganz so direkt wie vor 10 Jahren und tatsächlich irgendwie mehr Schuh und dennoch immer noch eine Feder – wolkengleich am Fuß. Ein speziell entwickeltes Gewebe auf dem Schaft sorgt für ein gutes Gleichgewicht aus Atmungsaktivität und Halt – auch bei zweistelligen Windstärken in Hennef. Der Oberschuh stützt den Vorfuß beim Übergang von der weichen Landung zum explosiven Abdruck – wobei der Cloudsurfer sowieso ein dynamisches Laufverhalten von jedem Läufer einfordert. Für Rückfußläufer ist er nämlich eher nichts. Dadurch, dass der alte/neue Cloudsurfer zwei Reihen der aufgesetzten „Wolken“ mehr unter der Sohle hat, bleibt die Ferse auch bei hohen Geschwindigkeiten an Ort und Stelle. Im Gegensatz zum Vorgänger ist somit das Drehmoment zwischen Landung und Abdruckphase etwas geringer. Als Läufer spürst Du quasi den Rückhalt und sanften Übergang bei steigendem Tempo und 6mm Sprengung. Gleich bleibt jedoch auch beim Cloudsurfer, dass der Läufer entweder eine saubere Technik hat oder aber ihn als Ergänzung zum etwas mehr stabiliserenden Schuh oder für kurze, schnelle Einheiten einsetzt. Gerade der Punkt Passform lässt ihn im Vergleich zum Cloudflow als deutlich besser und fester umschließend erscheinen.

Cloudswift

Mit der Fortführung der Neuheit Swift bleiben die Schweizer merklich konsumiger. Der auf 7mm Sprengung gebaute Schuh ist vorwiegend an Neutralläufer adressiert. Der Cloudswift war der erst Schuh mit dem EVA Ersatzgemisch namens Helion. Durch Sabines Wetterkapriolen läuft er sich angenehm weich und so gar nicht mehr On-typisch. Die Passform ist gut beim Reinschlüpfen und auch das sockenähnliche Obermaterial dürfte gerade bei Hallux geplagten Läufern Linderung bringen. Leider hat die Ferse ähnlich dem Test 2019 hier wieder ein Eigenleben während des Bergauflaufens entwickelt. Neu sind die im Vorfuß nun durchgehenden Cloudaufsätze. Für uns ist schwer einzuordnen ob es sich um eine Spezialität handelt oder schlicht einen Komfortschuh aus dem Hause der Schweizer. Auch der Vorfuß ist in seiner Gesamtheit etwas breiter geworden aber noch nicht so breit wie der zuvor gelaufene Cloudstratos. Trotz fehlender asymetrischer Schnürung ist die Passform sehr gut und überzeugt. Das dürfte vor allem auf den sockenähnlichen Überzug im Mittelfuß zurückzuführen sein.

Cloudventure & Cloudpeak

Der Laufladen Erfurt wäre ja kein Laufprofi, wenn wir nicht vorbereitet wären. Draußen wechselt sich mittlerweile schönster Graupelschauer mit waagerechtem Regen ab. Cloudventure und Peak sind gleich geblieben und haben uns zuletzt beim Training zum Braveheart Battle in der Skiarena am Silbersattel überzeugt. Im direkten Vergleich läuft sich der Peak zwar deutlich direkter und dynamischer – dennoch geht die Empfehlung zum Cloudventure. Der ist nicht nur konsumiger für eine breitere Zahl an Läufern, sondern wirklich gut. Das Obermaterial ist weitestgehend gleich geblieben. Darunter aber läuft es sich wie im Leopard 2A6 mit Gummipolster-Kettengliedern durch das Thüringer Becken. Die aufgesetzten Clouds sind deutlich stabiler und nochmals mit einer Art Gummiwürfel verstärkt. Statt der halbrunden Clouds der Vorgänger gibt es weiter doppelt eingerahmte Vierecke. Die Griffigkeit ist deutlich besser. Hier rutscht nichts im Schuh. Und auch außerhalb der körperlichen Selbstbeherrschung fressen sich Cloudventure & Peak in jeden Untergrund wie gefräßige Erdwürmer. Lediglich die Schnürsenkel könnten etwas stärker und länger sein, was aber durchaus von der Breite des jeweiliges Fußes abhängig ist. Aus diesem Grund freuen wir uns auch 2020 wieder auf die Trainings rund um den Braveheart Battle am 29.März 2020. Vielleicht kommt ja auch jemand von Brooks zu Besuch. Der fehlenden Trails wegen…

Saucony

Gleich neben den Kollegen aus der Schweiz laden uns die roten Würfel von Saucony ein. Seit fast einem halben Jahrzehnt für uns die besten Schuhen für Geländeläufe. Im Dezember wurde zudem mit der Endorphin Serie ein großer Angriff im Bereich Karbon & Rocker-Technolgie angekündigt. Daneben freuen wir uns auf das überarbeitete Spezialprodukt München 4 und sind gespannt, was es sonst noch an Neuigkeiten gibt.

München 4

„Nicht zur Feldarbeit geeignet“ sind die letzten Notizen in unseren Aufzeichnungen zum neuen München 4 von Saucony. Dabei hat er einen guten Eindruck hinterlassen. Die völlig neu überarbeitete Auflage ist wieder nur bei den Spezialisten der Laufszene wie dem Laufladen Erfurt verfügbar. Und das hat seinen Grund: Das Obermaterial ist nun aus einem Stück gefertigt und signalisiert dem Hirn beim Anziehen schon einmal ein gutes Passformgefühl. Lediglich die Zehenspitze im Vorfuß zeigt eine Naht im Bereich der Zehenkappe. Für uns macht der erste Eindruck einen höherwertigen, als noch beim Vorgänger. Medial, also im Innenbereich des Schuhes gibt es eine leichte Verstärkung. Diese ist aber nicht mit einem Pronationskeil zu verwechseln. Vielmehr haben die Amerikaner die Mittelsohle etwas hochgezogen. Auf 8mm Sprengung gebaut wirken die ersten Kilometer über Aspahlt, Wald und Feld ähnlich konsumig wie im Brooks Defyance. Im Gegensatz zum Brooks ist der München 4 aber nicht so eng, schmal und auch nicht markant führend. Vielmehr spürt man das Mehr an Spiel des Fußes, was gerade Läufern mit nicht so schmalen Füßen entgegenkommen dürfte. Die Zunge entwickelte zwar ein minimales Eigenleben in der Bergabpassage über den Golfplatz – aber das verzeihen wir mit einer angepassten Schnürung. Der neue Schaum in der Zwischensohle lässt den München 4 im Ganzen als Verbesserung zum Vorgänger erscheinen. Erst als es dank Sabine nass wird, scheint der München 4 überfordert. Aber in der Ackerfurche stand wirklich auch schon das Wasser im zweistelligen Zentimeterbereich. Daher freut er sich statt Feldarbeit eher auf Straßenläufe oder feste Park- und Feldwege vom kurzen 5er bis zum Marathon.

Peregrine 10

Wenn es einen Laufschuh gibt, der uns seit vielen Jahren über Stock, Stein und Schlamm verlässlich begleitet – dann ist es der Peregrine. Die zehnte Auflage ist wieder auf 4mm Sprengung gebaut und vereint drei Millimeter Stollentiefe. Als Besonderheit gäbe es die Möglichkeit, sich selbst fest drehende Dornen in die Löcher einzudrehen. Das zumindest versucht uns der Industrievertreter erklären zu wollen. Vielleicht irritiert ihn unser gemeinschaftliches Runzeln im Bereich der Stirnfalten. Jedenfalls ist uns nicht schlüssig, weshalb ich mir in einen 135€ Schuh noch Dornen hineinschrauben sollte, wenn er bisher bei allen Hindernisläufen dieser Welt gehalten hat. Naja, draußen regnet es wieder und wir freuen uns, wieder in den verbotenen Wald und über die Bäume zu dürfen. Und was ist das Fazit des neuen Peregrine 10? Der Schuh hält wieder alle Versprechen. Eine optimale Passform im Mittelfuß. Der Vorfuß wird dadurch ebenso geführt und zwar auf die wieder vorhandene durchschlagsfeste Platte unter den Zehen. Für den einen oder anderen Läufer ist letzteres vielleicht ungewohnt. Das Vertrauen in den Schuh kommt aber Meter um Meter. Im Peregrine 10 braucht sich kein Läufer Sorgen zu machen. Und sollte man doch auch einmal auf Asphalt laufen müssen, hat der Peregrine dank des weichen und rutschfesten Außengummis einen guten Halt.

Triumph 17

Bei den ersten Versuchen im Laufladen Erfurt empfanden wir den neuen Triumph 17 als extrem weich. Hier in Hennef empfinden wir genau das als willkommene Abwechslung und sind prompt überzeugt von der sehr angenehmen Passform. Natürlich lädt der Schuh plötzlich ein in einen gemütlichen Laufstil über die Ferse. Aber wer will denn auch schon in einem Wasserbett ähnlichen Pantoffel den Weltrekord brechen? Stattdessen taucht die Ferse Schritt für Schritt genüsslich ein. Leicht, komfortabel und flexibel im Abrollen sagt der neue Triumph 17 Sätze wie: „Ich bringe Deine Schmerzen weg!“ (Daniel) oder „Lass mich ruhig, ich entlaste Deinen Körper.“ (Hendrik). Wir haben diesmal wirklich nichts auszusetzen und sind eher traurig, dass wir heute keinen langen Dauerlauf machen können.

Kinvara 11

Leicht, schnell und unkompliziert trifft es wohl tatsächlich genau. Die Weiterentwicklung des Trainings-Wettkampf-Schuhes Kinvara 11 ist wieder auf 4mm gebaut. Die neue PowerRun Zwischensohle scheint aus einem Guss zu sein und stellt auch die Außensohle. Lediglich im Bereich des ersten Bodenkontaktes mit der Ferse und unter dem Vorfuß ist ein wenig mehr Gummi angebracht. Wir empfinden alle drei eine sehr angenehme und gute Passform. Die perfekte Symbiose zwischen leichtem Schuh und schweren Läufern, die es auch einmal leicht wollen und Dämpfung suchen. Die zugegeben sehr feste Fersenkappe drückt aber zu keiner Zeit sondern verursacht einen ausgezeichneten Halt. Zum Vorgänger ist der neue Kinvara 11 nochmals eine deutliche Verbesserung.

Die Endorphin Serie mit Shift & Speed

Zugegeben, bis zur letzten Messe im Dezember 2019 war das Thema Karbon und Rocker-Technolgie noch sehr weit entfernt. Als wir dann auch noch mit den ostafrikanischen Läufern im Hochland von Iten und Kenia in „ganz normalen“ Schuhen gelaufen sind, sah ich eigentlich keine Notwendigkeit für derartige Technologien jenseits eines 3:30min-Läufers. Nun stehen wir in einer Drei-Felder-Halle in Hennef vor ziemlich bunten Schuhen. Saucony nennt seinen Angriff auf die Karbondominanz der nordamerikanischen Konkurrenz Endorphin Kollection. Karbon hat aber nur der Endorphin Pro. Dummerweise gibt es an diesem Montag im Februar kein Testschuh. Die Etage darunter nennt sich Endorphin Shift und hat vor knapp acht Wochen zur Messe angeblich noch eine halbe Karbonplatte bzw. eine TPU Zwischensohle. Jetzt versucht man uns zu erklären, dass es sich nun um ein Nylon Mesh handeln soll. Wie genau das funktioniert, wie die Nylon Fasern verklebt sind oder in wie vielen Schichten sie übereinander liegen – all das wollen wir wissen. Aus Sicht von Laufprofis sind das unserer Meinung nach mehr als berechtigte Fragen. Sie bleiben leider unbeantwortet. Naja, dann testen wir wenigstens den Endorphin Shift und somit den Einstiegsschuh in die Endorphin Serie – den Endorphin Speed. Von unten sieht der Shift aus, als sei der mit viel Boost Material gefüllt. Wir erwarten auf stolligem Untergrund eine Haltbarkeit von max. 300km. Auffällig ist, dass er bei allen drei Runden extrem in der Ferse kippelt. Ob diese Instabilität gewollt ist, bleibt fraglich. Instabil ist er übrigens auch schon beim Gehen. Im Nachgespräch wird uns später gesagt, dass man mit dem Schuh schon eine 3:20 min/km laufen muss. Wir fragen uns zwar, wer das außer einem Julien Wanders laufen soll aber die interne Marketingmaschinerie scheint schon zu laufen. Wir würden statt dessen eher zum Kinvara 11 greifen. Wie gesagt, es gibt nur Nylon Mesh in der Zwischensohle. Dem Gegenüber steht der Speed als Einstieg in die Endorphin Serie. Der ist zwar sehr angenehm zu laufen und wirkt bisweilen kosumig. Es gibt auch nicht viel zu meckern. Ob es ein überteuerter Allerweltsschuh mit leichtem Obermaterial, 4mm Sprengung, verstärkter Ferse aber dennoch nur vom Aussehen her ein Karbon-Rocker-Schuh sein muss, darf jeder selbst entscheiden.

Die schwarze G-Klasse & Nike

Schon beim Einlaufen ist uns wieder die schwarze G-Klasse mit Berliner Kennzeichen aufgefallen. Ob es heute für ein tête-a-tête reichen wird? Es darf vorweg gegriffen werden – es hat gereicht und wir waren positiv überrascht. Man kann zum amerikanischen Laufgiganten stehen wie man mag. Was die Themen Innovation und Fortschritt im Laufbereich angeht, haben und setzen die Herrschaften aus Oregon immer noch die Messlatte. Wer sich ein wenig auskennt in der Szene, weiß, was zum Beispiel noch mit dem Alphafly und diversen anderen Prototypen in der Pipeline ist. Und während sich andere Hersteller erst einmal langsam an die Themen Rocker und Karbon heranwagen, wird in Iten und Eldoret fleißig schon im Feldversuch getestet. Aber das ist eine Thematik für den Läuferbierabend in der Lachsgasse. Wir freuen uns jedenfalls, heute auch einmal in den Genuss von Nike Schuhen zu kommen.

Pegasus Turbo 2

Los geht es mit dem neuen Pegasus Turbo 2. Entgegen dem Zeichentrickfilm mit der rasenden Schnecke gibt es im Turbo tatsächlich den schnellsten Schaum von Nike. Als X-Schaum wird er uns vorgestellt und wir freuen uns ehrlich gesagt, dass uns endlich einmal ein Vertreter der Sportartikelindustrie Frage und Antwort steht. Nach der Laufrunde sind wir außerdem schlauer, was die Eindrücke angeht. Beim Pegasus Turbo 2 handelt es sich um einen schnellen und sehr leichten Schuh. Der gaukelt keinerlei Illusionen von Dämpfung oder gar Komfort vor. Erinnert werden wir ein wenig an der NB 1500 von New Balance. Ein klassischer Trainingswettkampf-Schuh mit Schwerpunkt auf schnelle Bolzeinheiten. Ein Vorteil ist, dass er Dich als Läufer extrem nach vorne drückt. Außerdem reibt, drückt oder scheuert nichts. Im Gegensatz zum 1500 steht man etwas weicher und mit mehr Ferse über dem Schuh, was ihn vermutlich auch für einen längeren Wettkampf tragbar macht. Allerdings verzeiht der Turbo auch nichts. Als Läufer muss man stabil stehen/ laufen können oder eben ordentlich nachbereiten.

Infinity React

Vor knapp 10 Jahren gab es einmal eine gute Diplomarbeit zu den „Biomechanischen Adaptionsprozessen eines Nike Free 3.0 im Vergleich zum Nike Max Moto nach einem 12-wöchigen Lauftraining“. Ziel war es, herauszufinden, wie sich das Lauftraining in einem Barfuß-Laufschuh auf den menschlichen Organismus auswirkt. Auch das könnte ein Thema für einen Läuferbierabend in der Erfurter Lachsgasse sein, denn die Studie steht bei uns im Regal. Jedenfalls hat Nike am Vorabend des Laufschuhsymposiums im Rahmen der Münchener ISPO mit einer neuen Studie geworben. Das Laufen im neuen Nike Infinity React würde das Verletzungsrisiko minimieren. In einer Studie über 12 Wochen mit der British Columbia Sports Medecine Research Foundation wurde zwischen dem Nike Structure und eben dem Nike Infinity React verglichen. Spannend ist einerseits, wie alle die Pressemeldungen von Nike kopieren ohne drauf hinzuweisen, dass niemand bisher die Studie gelesen hat, denn sie ist noch gar nicht veröffentlicht. Zum anderen gilt bereits als verletzt in der Studie, wer mehr als drei Trainingseinheiten verpasst hat. Nun ja, wir laufen den Schuh dennoch. Die Zwischensohle verfügt über 24% mehr Schaum. Der Unterbau scheint sockelähnlich und auch der gesamte Unterbau erinnert wieder stark an eine Rocker-Technolgie. Die Sohle sieht zwar noch nicht aus wie beim kleinen Muck, laufen tut sie sich aber gut. Es tritt kein Gefühl des Schwimmens auf. Der Schuh muss jedoch passgenau sitzen, weil uns die Fersenkonstruktion sehr dünn erscheint. Der Infinity funktioniert, vermutlich auch, weil er nicht so aufgeplustert wie andere Hersteller ist. Empfehlenswert als Dauerlaufschuh ist er allemal. Erinnert werden wir aber bei den Vorzügen vor allem an die Argumente, die die Lunge Manufaktur schon seit einem Jahrzehnt verbaut.

Vaporfly Next% (Next Percent)

Natürlich wollen wir es uns nicht nehmen lassen, den derzeit  schnellsten, frei zugänglichen, Karbonschuh der Welt zu testen. Immerhin lief die amtierende Ironman Weltmeisterin in jenem Schuh 2019 zum Titel. Am Ende der zwei Kilometer langen Runde sind wir alle drei überzeugt. Der Vaporfly Next% will und kann nicht langsam laufen. Der Schuh ist eine schon gezündete Rakete, die nur eine Richtung kennt – vorwärts. Fehler verzeiht auch dieser Karbonschuh keinen und den Vortrieb merkt man deutlichst durch die vorgespannte Zwischensohle. Dagegen ist alles andere an Karbon oder Rockerschuhen bisher eher, als vergleiche man einen Porsche GT4 mit einem Dacia Duster.  Aufgrund der schimmernden Fallschirmseide im Obermaterial dürfte der Schuh auch beim Otto-Normal-Läufer nicht mehr als 150-200km halten. Die Fersenbäckchen laufen komplett um die Ferse und unterstützen die gute Passform mittels asymmetrischer, lateraler Schnürung zusätzlich. Erschreckend ist aber vielmehr der enorme Vortrieb durch die Karbonplatte. Aus sportwissenschaftlicher Sicht sind die Folgen für den untrainierten Sportler im Bereich des Großzehengrundgelenks überhaupt nicht abschätzbar. Statt dessen vermute ich eine enorme Zunahme an Gelenks- & Athrosebeschwerden in den kommenden Jahren – denn kopieren werden ab sofort alle Hersteller. Und die Nachfrage, auch und gerade von mittel-schnellen Läufern nach Karbon ist bereits jetzt bedenklich hoch.

Neues von den Albatrossen – HOKA

Carbon X

Eine der Antworten auf die Dominanz der Kipchogebewegung ist der Carbon X von Hoka One One. Ausnahmslos für Asphalt ausgelegt kommt 2020 dieser 5mm gesprengte Wunderschuh (241g). Mit einem Reinheitsgrad von 80%-igem Karbon versehen dürfte er fast doppelt so lange halten wie die Nike Variante. Im direkten Vergleich fehlte uns zwar dieser extreme Vortrieb. Dafür aber lädt der Carbon X eher zum langen schnellen Laufen mit Unterstützung ein. Die Faserplatte aus Karbon sorgt tatsächlich für einen sanften Übergang im Abrollzyklus. Der breite Vorfuß bietet Halt und gleichzeitig Stabilität. Die Zwischensohle ist zum Vorgänger dicker geworden, was dem Meta-Rocker aber mehr Antriebsstärke verleiht.  Wir haben der Empfehlung vertraut und sind tatsächlich nur Straße mit dem Carbon X gelaufen. Da die Ferse extern nochmals mit Nähten eingefasst ist, empfanden wir mehr Stabilität und Führung. Das einlagige Obermaterial ist aus einem Stück und sogar die Zunge ist vernäht. Zusammenfassend ist der neue Carbon X nicht ganz so aggressiv – dafür aber wohl eher für die breite Masse unserer Laufgäste geeignet.

Carbon Rocket

Wer es böser, direkter und durchaus offensiver mag – dem sei der Evo Carbon Rocket ans Herz gelegt. Mit nur 1mm Sprengung (218g) ist da wirklich nicht viel zwischen Fußsohle und Straßenuntergrund. Beim Probelaufen durch die verwinkelten Gassen Erfurts zum Katakombenlauf war schon eine gewisse Agilität des Läufers nötig. Klar ist er atmungsaktiv und komfortabel. Wir würden den Begriff in diesem Zusammenhang aber lieber mit direkt und kompromisslos ersetzen. Der Carbon Rocket ist tatsächlich ein Rakete, die jedoch schmaler, direkter als der Carbon X ist und sich auch eher auf kürzeren Strecke zu Hause fühlt.

Clifton 6

Wenn es einen klassischen Hoka Laufschuh geben sollte, dann würde sicherlich der Name Clifton 6 fallen. Ausgelegt für Asphalt und feste Wege haben wir ihn genau dort getestet. Am Ende kam ein leichtes Laufgefühl, gepaart mit einer gewohnt sehr guten Dämpfung heraus. Enormen Vortrieb wird man beim Clifton 6 vergeblich suchen. Statt dessen sorgt auch hier die Meta-Rocker Technologie für ein überaus rundes Abrollverhalten. Wer über die Ferse einfach mal so dahin gleiten möchte, sollte vermutlich auch mal in den Hoka schlüpfen. Wir empfanden kein zu aufdringlichen Kipppunkt für die Ferse. Eine Empfehlung ergeht an alle Genussläufer, die im gemütlichen Tempo und guter Passform laufen möchten.

Speedgoat 4

Tadellos. Das war zumindest der neue Hoka Speedgoat 4. Hätten sie gekonnt, hätten uns die Vertreter von Hoka vermutlich nach der Testrunde einmal quer durch die Sporthalle geprügelt. Und dabei waren wir doch die einzigen Läufer, die zumindest die Schuhe im Schuhputzraum abgebürstet haben. Zugegeben, die Erfurter waren auch wieder die einzigen Verrückten, die in den Wald und Matsch gegangen sind. Naja, jedenfalls haben die Speedgoat 4 ganz schön getrieft nach der Runde. Die Grenze für den Einsatzbereich des neuen Hoka liegt dabei allerdings auch wirklich nur im tiefen bis sehr tiefen Matsch. Bergauf könnte man denken, dass es nach den leichten und minimalistischen Vorgängern ein bisschen viel Schuh ist. Die 312g Gewicht sind aber bei weitem nicht als schwer zu bezeichnen. Das Obermaterial wurde nahezu komplett überarbeitet und verfügt jetzt über 3-D-Stützauflagen. Dadurch empfanden wir eine verbesserte Passform im Mittelfußbereich. Aus unserer Sicht gibt es absolut nichts auszusetzen. Der Nachfolger vom Speedgoat 3 hat mit 5mm-Stollen wieder einen guten Halt auch im schweren und technisch anspruchsvollen Gelände. Der Mittelfußbereich ist etwas schmaler, hat aber dennoch eine optimale Auflage ohne zu reiben. Der Schuh hält, was er verspricht und das auch für Läufer mit mehr Gewicht und vor allem auch auf langen Strecken. .

Vieles ist neu bei NewBalance

Die Halle leert sich schon langsam wieder, als wir uns die erste Banane des Tages gönnen. Zwischendurch gibt es auch den einen oder anderen Becher Refresher und Beetster von UltraSports. Aber es ist schon erstaunlich, mit wie wenig man als Läufer an so einem 8-Stunden Lauftag auskommt. Gleich neben UltraSports stehen übrigens die Kollegen von NewBalance. Gerne erinnere ich mich an die Messe im Dezember zurück. Ein weiter entwickelter More 2, die Temporakete 1500, Karbonschuh und vor allem ein völlig überarbeiteter Geländeschuh Hierro. Aber es soll nicht der Tag von New Balance werden. Und ich frage mich ernsthaft, ob es unser professioneller Anspruch oder schlicht das Unvermögen der Repräsentanten unterm NB Zelt ist?

NB 880 V9

Los geht es mit DEM Spezialistenmodell der letzten Jahre. Wir hier im Laufladen Erfurt bestellen den NB 880 immer in der schmalen Ausführung. So können wir ähnlich dem Defyance und dem München auch die schmalen Füße befriedigen, die hin und wieder Sicherheit durch Führung wollen. Nun kommt der neue NB 880 im Frühjahr 2020 völlig überarbeitet. Und vom Herrn mit Händen in den Taschen und dem gelangweilten Blick kommt nichts. Wir nehmen wieder das Papier aus dem Schuh und öffnen zunächst einmal die noch verknoteten Schnürsenkel. Auch verzichten wir auf weitere Fragen, denn außer heißer Luft kommt wirklich nicht viel. Viel mehr sind wir auf das Laufverhalten gespannt. Es geht raus auf den Asphalt, den Waldweg empor und wieder in Richtung Golfwiese, um durch den Wald und über die Aschebahn zurück zu kommen. Der Eindruck des NB 880 überzeugt uns dann aber doch. Der Schuh rollt gut.  Der Fuß an sich wird gut gehalten im Bereich des Sprunggelenks und auch der Spann hat weder Druck noch zu viel Spiel. 2020 kommt der 880 nun auch mit dem Fresh-Foam-Schaum in der Zwischensohle. Dadurch ist er spürbar gedämpfter als sein Vorgänger. Im Vergleich zu anderen vergleichbaren Modellen wirkt er subjektiv etwas schwerer, aber nicht zu schwer. Mit 304g/256g auf 10mm Sprengung kann er das ja auch gar nicht sein. Testen konnten wir leider nur die breite Ausführung. Ansonsten scheint man noch die Mittelfußbrücke weggenommen zu haben. Dadurch hat der Fuß im Mittelfuß spürbar mehr Platz. Gerade das nahtfreie Obermaterial hat uns beim Laufen sehr gefallen. Kompensieren wollen wir aber das Mehr an Breite im Laufladen Erfurt durch die schmale Ausführung. Denn wir glauben, dass sonst gerade alte NB 880 Fans keine Wiedererkennung mehr besitzen. Uns hat die Neuerung jedenfalls überzeugt und Spaß gemacht. Empfehlen würden wir den NB 880 sowohl für die kurzen 5km Läufe in der Woche oder auch die langen Einheiten bis zur Marathondistanz auf Straße, Park und Waldwegen. Das wird einer unserer Alleskönner 2020.

NB 860 V10

Gleich nach dem Alleskönner NB 880 geht es eine Stabilklasse höher. Der NB 860 ist auch exklusiv für die Laufspezialisten verfügbar und wartet jungfräulich, um unbedingt in den Dreck der Hennefer Sportschule ausgeführt zu werden. Das Fazit ist eindeutig: „Sicherheit für Training, Genussläufer und Laufeinsteiger!“ Der passt einfach. Die schon gewohnte Stabilität wird weiterhin mit dem zweilagigen Zwischensohlengemisch Trufuse erreicht. Uns kommt er anfangs etwas hart vor. Das dürfte aber noch mit der Jungfräulichkeit des Testschuhes zusammen hängen. Im Gegensatz zur Enttäuschung des Tages im Nachbarzelt, klopft der NB 860 überhaupt nicht – trotz des hohen Stabilitätsgrades. Die Empfehlung aus dem Laufladen Erfurt geht an Läufer, die auch einmal gemächlich und nicht zu dynamisch unterwegs sind. Außerdem sollte man Stabilität wollen oder auch ein wenig mehr an Gewicht mitbringen. Überzeugt hat uns die Breite im Vorfuß und auch hier das sockenähnliche Obermaterial. So sollten auch Läufer mit einer Hallux Problematik vor Schmerzen geschützt sein. Die Zunge des auf 10mm gebauten NB 860 ist wieder gut gepolstert. Jedoch hat der Bereich der Ferse offensichtlich deutlich weniger Material verbaut , was uns ein wenig irritiert. Das könnte zum einen im steilen Gelände Schlupf verursachen und zum anderen die Wahrscheinlichkeit von Reizungen in dem Bereich erhöhen. Das wiederum ist aber Meckern auf ganz hohem Niveau. Grundsätzlich ist und bleibt der neue NB 860 die erste Wahl in seinem Bereich!

NB Hierro

Mangels More Trail und Minimus begnügen wir uns mit dem Geländeschuh NB Hierro. Die ersten Erinnerung fallen sofort an einen alten Adidas Response Trainer aus den 90er Jahren. Als man damals noch mit Anglerhut und Täve Schur Gedächtniskappen zum Rennsteiglauf an den Start gegangen ist.  Das ist zwar ungewohnt aber nicht schlecht. Eindrucksvoll ist die sehr breite Auflagefläche unter dem Fuß mit einer dominanten Fersenschwanz- Gummilippe. Eigentlich dachte ich, dass man vor 10 Jahren in den biomechanischen Labors herausgefunden hat, dass solche externen Hebel eher kontraproduktiv seien. Nun ja, wir laufen trotzdem wieder raus in den Wald. Der NB Hierro wirkt am Anfang sehr globig, fest und schwer im Vergleich zu Peregrine, Speedgoat und Cloudventure. Aber er wirkt auch sehr robust und deutlich haltbarer als die Genannten. Schutz gibt es zusätzlich im Zehenbereich durch einen aufgesetzten Zehenschutz. Auch die Vibramsohle überzeugt uns. Breite Schnürsenkel runden das offensichtlich durchdachte Bild ab. In der Außensohle sammeln sich zwar leicht Nadeln, kleine Zapfen und sonstige Waldmitbringsel. Das tut dem sehr guten Halt aber zu keiner Zeit Abbruch. Allerdings muss man als Läufer den NB Hierro eng schnüren. Andernfalls hat die Ferse im technischen Gelände zu viel Spiel und will den Schuh verlassen. Wie wir später erfahren, ist die Gummilippe für den ersten Kontakt beim Bergablaufen in der Landephase. Gemerkt haben wir davon nichts. Empfehlen würden wir den NB Hierro aber dennoch und zwar für Läufer, die entweder in wirklich schwerem Gelände unterwegs sind oder aber einfach mal wieder eine Bank an verlässlichem Schuh unter der Sohle haben wollen, der nicht nach 400km abgenutzt ist.

NB 1080 V10

Alles neu macht New Balance könnte man meinen. Auch hier warten wir leider vergebens auf Insider Infos und sind inzwischen froh, dass man uns noch Schuhe gibt. Vielleicht dachte man ja, dass die Schuhe nur in der Sporthalle gelaufen werden. Wer aber in den Laufladen Erfurt kommt, will und soll auch erfahren, wie sich unsere Schuhe auf allen Untergründen verhalten. Das ist unser Anspruch an Professionalität und davon lassen wir uns auch nicht abbringen. Positiv fällt uns gemeinsam auf, dass man sofort das bekannte Gefühl der Fresh-Foam-Schaum Familie verspürt. Erinnerungen an die langen Trainingsläufe im alten 1080 auf dem Weg zum Marathon oder Ironman werden geweckt. Generell fühlt sich alles leichter und nicht mehr ganz so geführt an, wie noch vor einem Jahr. Die Fersenkappe wurde neu überarbeitet, höher gezogen und wirkt jetzt frei auf Fersenbein und Achillessehne. Dadurch fehlt bisweilen die unterschwellige Rückmeldung an das Unterbewusstsein und ist eher einladend an alles, was man so beim Fersenlauf über vernadelde Waldwege aufsammeln kann. Daher sollte man unbedingt eine längere Socke z.B. die Short Cut Sock von CEP ins Auge fassen. Auf 8mm gebaut lädt aber auch der neue NB 1080 für lange, ruhige Dauerläufe ein bei denen es deutlich mehr Komfort sein darf. Das Abrollverhalten ist, wie man es noch von New Balance erwarten kann, ausgezeichnet und führend.

Salomon Sonic Confidence & Sonic Balance

So ein großer Laufschuhtest bietet auch immer die Möglichkeit, einmal Schuhe zu probieren, die wir nicht im Portfolio haben. Grundsätzlich wollen wir ja wirklich nur das Beste vom Besten in unseren Hallen haben. Ein gewisses Maß an Exklusivität darf es aus unserer Sicht schon sein in Erfurt. Dennoch sind wir auch diesmal zu Herstellern gegangen, die wir nicht haben wie u.a. Salomon. Getestet wurde der Sonic Confidence (10mm Sprengung) bzw. Sonic Balance (8mm). Komfortable Dynamik und reduzierte Vibration wurde uns angekündigt. Nachdem auch hier erst einmal die Knoten geöffnet und das Papier aus den Schuhen genommen werden musste, ging es zurück auf die Straße. Zwischenzeitlich dachten wir, wir laufen in einer Gruppe von Pantoffelflossen. Rund, dynamisch oder Vibrationen reduzieren,  lief da rein gar nichts. Statt dessen trampelten sowohl der Sonic Confidence als auch der Sonic Balance. Bretthart, keinerlei spürbare Dämpfung, kein Abrollen und eine extrem hart empfundenes Fersengefühl waren für uns eine der Enttäuschungen des Tages. Mag sein, dass wir nach knapp 20km in den Beinen schon ermüdet waren – aber genau dann sollten Attribute wie Komfort und Dynamik besonders greifen. Gerne hätten wir auch das Aushängeschild von Salomon, nämlich die Trailschuhe getestet. Die aber waren nicht vorrätig.

Mizuno und neues aus Japan

Beim Thema Mizuno verlassen wir uns diesmal vor allem auf die Expertise von Daniel. Denn er ist ein begnadeter Fan der Japaner und soll heuer unvoreingenommen seine Empfindungen kommunizieren. Am Ende des Tages sitzt er leider sprachlos beim Gaffel Kölsch auf der Tribüne der Hennefer Drei-Felder-Halle und schwelgt in besseren Zeiten.

Mizuno Sky 3

Der aktuelle Nachfolger vom Sky 2 ist deutlich weicher und instabiler. Erfahrene Mizuno Läufer dürften enttäuscht werden. Wer neu mit dem Sky 3 in Berührung kommt, dürfte aber allein von der Verarbeitung beeindruckt sein, denn die ist mehr als gut. Beim Probelaufen über Feld und Straße wackelt der ganze Schuh. Wer mit mehr Gewicht und Fersenlauf daher kommt, könnte das Ganze noch als hinnehmbar empfinden. Je weiter man in den Vorfuß kommt, desto instabiler wird aber das ganze System. Am Ende der Notizaufzeichnung ist Daniel sprichwörtlich ratlos. „Der Schuh hängt am Fuß und schleppt ihn irgendwie mit. Die Unterstützung sucht man vergeblich und ist mangelhaft.“

Mizuno Skyrise

Im Gegensatz zum Sky 3 verfügt der Skyrise nur im Rückfußbereich über die für Mizuho typische Wellenplatte. Während der Testrunde fiel auf, dass sich unweigerlich das Gefühl einstellt, dass der Mittelfuß in der Standphase nach rechts oder links ausbrechen mag. Die Griffigkeit und der Komfort haben zwar ansatzweise überzeugt – reichen aber auch für kürzere Ausflüge auf Feldwege der Blumenstadt.

Mizuno Wave Rider 23

Daniel bekommt feuchte Augen, als er in die 23. Ausgabe des legendären Mizuno Wave Rider steigen darf. Denn für ihn, der bereits mit nem einstelligen Wave Rider den Ironman Roth absolviert hat, ist es der Schuh schlechthin. Sofort entsteht ein Gefühl des sicheren Laufens. Zwar muss man inzwischen ganz schön Körpergewicht mitbringen, um den Mittelfuß rund laufen zu lassen, aber das hat unser Daniel heute in Hennef. Wenn man jedoch zu langsam läuft, patscht es richtig. Am Ende geht die Empfehlung tendenziell zu Stadtparkläufern im 7min/km Schnitt mit deutlich über 80kg Körpergewicht. Daniel meinte am Ende im Waschraum, dass man deutlich Masse mitbringen muss, um den Wave Rider 23 biegen zu können. Grundsätzlich ist und bleibt der Rider aber eine runde Sache mit guter Passform.

Mizuno Horizon 4

Der neue Horizon 4 verfügt nicht mehr über eine stabilisierende Platte. Dafür gibt es jetzt zwei Wellen mit unterschiedlichen Härtegraden. Das hat nichts mehr mit dem Vorgänger in punkto Stabilität, Sicherheit und Führung zu tun. Das ganze System wirkt jetzt sogar instabiler als der zuvor gelaufene Wave Rider. Von der klassischen Pronationsstütze durch die zwei Härtegrade merkt man gar nichts mehr. Daniel ist wieder sprachlos.

Mizuno Wave Shadow

Am Ende gibt es noch einen etwas leichteren Trainings-Wettkampf-Schuh. Im Vergleich zum Sonic von Mizuno gibt es hier die bekannte Platte für mehr Stabilität. Im direkten Vergleich ist der Shadow allerdings deutlich härter und sollte ausschließlich für Mittelfuß-Läufer geeignet sein. Das Obermaterial ist ausreichend und auch generell wirkt die Haltbarkeit deutlich mehr als reguläre Trainings-Wettkampf-Schuhe. Wald und Wiesenläufe sind allerdings unpassend. Auf Straße und Parkwegen dürfte sich der Shadow deutlich wohler fühlen.

Spezilitäten von Asics & True Motion

Die 21km-Marke steht jeweils schon auf der Uhr von uns und so langsam werden die Beine müder. Zum Schluß möchten wir aber noch die letzten beiden Spezialistenmodelle der Laufprofis von Asics testen. Den GT-4000 und Pursue gibt es nämlich auch nur bei den Laufprofis wie dem Laufladen Erfurt. Außerdem steht da noch das Zelt von True Motion.

True Motion Nevos

Der berühmte Hufeisen Schuh, über den auch die FAZ im Herbst berichtet hat. Die Köpfe hinter der Firma sind seit 20 Jahren im Geschäft und haben früher bei Brooks, McKinsey und an der DSHS Köln gelehrt bzw. für Nike gearbeitet. Werbung, Marketing und Internetauftritt machen sie bisher ganz gut. Wollen wir doch einmal schauen, wie sie sich laufen! Das erste Gefühl beim harten Asphaltlaufen lässt den Aufprall der Ferse merkbar spüren. Dennoch ist das Gefühl nicht unangenehm, vielleicht sogar ein Stück weit entlastend. Ähnlich zum Brooks Defyance 11. Der Nevos ist ein angenehmer, konsumiger und überhaupt nicht zu kritisierender Schuh.  Auch auf der zweiten Runde bestätigt sich das Bild. Der Nevos ist wahrlich nicht schlecht aber auch nicht besonders herausstechend. Schmales Aussehen und pfeilförmiger nach vorn spitz zulaufender Sitz. Es gibt tatsächlich nichts zu meckern! Es reibt nichts! Der Nevos sitzt gut am Fuß und nichts stört. Es ist nichts komplett anderes als die im Laufladen Erfurt bekannten Modelle. Aber verschließen würden wir uns vorm Nevos auch nicht.

True Motion AION

Für uns der deutlich bessere und herausstechende Schuh ist die Neuheit von True Motion für 2020 – der Aion. Der wirkt nicht nur deutlich wertvoller, sondern läuft sich auch merkbar konsumiger. Es ist mehr Material in der Zwischensohle verarbeitet und erinnert uns an alte  Nike Lunar, gekreuzt mit einem Nike Skylon. Die Fußbrücke im Mittelfuß ist verbunden mit einer extern aufgesetzten Fersenkappe. Das verleiht der ganzen Passform einen stimmigen Gesamteindruck. Auch das verwendete Obermaterial empfinden wir als nicht zu breit. Für uns am Ende des Tages eine Empfehlung für lange Läufe und vergleichbar mit Brooks Transcend und Saucony Triumph.

Asics Glide Ride

Zum Schluss des Tages überfordern wir zum Leid aller Anwesenden noch einmal den Vertreter der Sportartikelindustrie. Der Kollege von Asics versucht uns mit Fachbegriffen, den Sinn hinter dem neuen Glide Ride zu erläutern. Aber sowohl unser Sportwissenschaftler aus Chemnitz als auch ich als Biomechaniker verstehen es nicht. Sei es drum – wir sind ja zum Laufen hier. Der Gilde Ride läuft sich wie ein Karbon Schuh, nur eben ohne Karbon. Gefühlt   schwebt man über den Asphalt. Der direkte Kontakt zum Basaltplaster fehlt zwar – aber das ist nicht schlimm. Durch die Rocker Konstruktion wirst Du als Läufer unweigerlich  nach vorn gedrückt. Die gute Dämpfung ist gepaart mit einem anschmiegsamen Obermaterial. Der Schaum in der Mittelsohne kommt vom Dynaflyte. Außerdem ist der Vorfuß versteift. Man taucht ein mit dem Drang nach vorne. Laut Asics soll der Schuh eher für Rückfußläufer sein. Uns aber hat er unweigerlich in den Mittelfuß und Vorfuß gedrückt. Zusammenfassend eine gute Passform, gutes Abrollen und viel Dynamik für einen Schuh ohne Karbon.

Asics GT-4000

Für uns einer der sehr guten Exklusivschuhe von Asiscs. Auf 10mm Sprengung gebaut bringt er inzwischen deutlich mehr Stabilität als beispielsweise ein Mizuno Horizon. Der neue GT-4000 sitzt bombenfest und lässt nicht einmal ansatzweise das Gefühl des Schwimmens aufkommen. Uns gefällt auch die Verarbeitung recht gut. Im Gegensatz zu anderen Asics Modellen dürfte der 4000er nicht gleich nach 200km das Weite suchen. Die Passform ist optimal am Ende des Tages. Daniel trifft es auf den Punkt: „Reinschlüpfen, anziehen, loslaufen!“ Der neue GT-4000 ist vielleicht nicht dynamisch, sondern patscht sogar ein wenig. Dann aber weiß der Läufer, dass er gescheit abrollen muss. Der neue GT-4000 ist wie man ihn kennt: Ein Spezialistenmodell mit Vertrauensgarantie und deutlich stärker als der GT-2000.

Asics Gel Pursue 6

Der krönende Abschluss des Tages lässt wieder wenig Kritik zu. Die gewohnt gute Passform vom alten Gel Pursue findet sich auch in der sechsten Ausgabe wieder. Der Pursue ist vielleicht nicht ganz so weich gedämpft und komfortabel wie andere Laufschuhe aus der Vergleichsgruppe, aber dafür hält er was er verspricht. Mit 10mm Sprengung bei 315g weiß man, dass es eher um Unterstützung, Stabilität und Verlässlichkeit geht. Im Außen- und Innenbereich sind die Unterstützungselemente verschieden lang ausgeprägt. Das führt dazu, dass man den Pursue 6 anzieht und fast nicht merkt. Vielleicht ist es auch der Flytfoam Schaum, der das ganze Modell etwas anschmiegsamer macht als seine Vorgänger. Für den 100kg Läufer sicherlich nicht geeignet, dürfte aber auch der neue Pursue 6 ein breites Einsatzspektrum von 5km Läufen im Park bis zum Marathon besitzen.

Mille grazie Diadora

Wir jedenfalls sind fertig für heute. Am Ende des 8h Arbeitslauftages stehen jeweils knapp 24 Kilometer auf der Habenseite. Dazu kommen knapp 600 Höhenmeter, viele Kratzer auf der rasierten Wade und ziemlich verdreckte Laufsachen. Apropos Laufsachen – bei so einem Test ist es ja üblich, von der Industrie Testbekleidung zu erhalten. Heuer gab es lange Unterhemden, Hosen und Laufjacken von Diadora. Wir wollen bis zum Schluß dieser Ausführung ehrlich sein und meinen, dass die 2-in-1 Laufhosen eine völlige Fehlentwicklung sind. Deshalb haben wir uns relativ schnell dazu entschieden, wieder auf unsere geliebte Fusion Hose mit Laufladen Erfurt Werbung zu wechseln. Loben dürfen, müssen und wollen wir aber die langen Unterhemden und 80er Jahre Laufjacken der Italiener. Letztere sind nicht nur ein treuer Begleiter im waagerechten und von Graupel gezeichneten Regen gewesen. Vielmehr haben sie uns bis zum Schluß trocken gehalten und vor allem das Unterhemd hat den zweifelsohne geflossenen Schweiß schnell abtransportiert. Die dünnen Hemden, in schlichtem Schwarz gehalten, sind nicht nur hoch atmungsaktiv, sondern haben sich auch extrem angenehm auf der Haut getragen. Wer also auf der Suche nach einer nicht stinkenden und in Europa hergestellten Funktionsfaser ist – im Laufladen Erfurt gibt es ab sofort auch Diadora Leibchen.

Fazit

Im Vergleich zu den Vorjahren werden die Laufschuhtests des Laufladen Erfurt offensichtlich immer länger. Aber woran liegt das? Es gibt viele Gründe und die meisten wollen wir an dieser Stelle auch gar nicht äußern. Wichtig sind uns jedoch zwei Dinge, die hoffentlich jeder Leser berücksichtigt. In Zeiten eines immer härter werdenden Wettbewerbs zwischen der Sportartikelindustrie und regionalen Händlern wollen wir als Laufladen Erfurt weiter unabhängig bleiben. Deswegen nehmen wir selten ein Blatt vor den Mund, möchten aber auch niemanden bloßstellen. Wenn es jedoch um unsere Berufung, nämlich der Liebe zum Laufen in all ihren Facetten geht – genau da sind wir kompromisslos aber kritikfähig. Ein Laufschuh, der in den unabhängigen Laufladen Erfurt möchte, der muss nicht nur gut sein, sondern der muss den Anspruch haben, zu den besten gehören zu wollen. Der muss eine Geschichte haben. Der muss zu den Menschen hier zwischen Coburg und Harz passen. Der muss Begeisterung erzeugen und vor allem muss er funktionieren. Der andere Grund für die langen Berichte ist einfach die Dichte der wirklich guten Schuhe. Natürlich gibt es richtige Gurken, die wir aber bewusst auslassen oder dem Leser gar nicht zeigen wollen. Grundsätzlich ist aber eine Tendenz zu mehr Komfort zu beobachten. Ob es dann immer ein 180 Euro Schuh sein muss, bezweifeln wir. Im Laden hängen bei uns immer noch Mythos Diadora 280 und 300 von 1990. Auch mit diesen Schuhen konnte man früher einen Zehner unter 40min laufen. Vor allem haben sie auch mehr als 1200km gehalten. Wir wollen damit sagen, dass Schuhe nicht immer teurer werden müssen aufgrund ihres angeblichen technologischen Fortschritts. Wir würden uns wünschen, dass im Zuge von Klimadiskussionen und Nachhaltigkeit, die Produkte in aller erster Linie funktionieren und halten. Und wir wünschen uns, dass Laufen das bleibt, was es schon immer war – nämlich einfach nur Laufen.

Weil wir das Laufen lieben!