• Laufschuhtest 2018

    12 Firmen. 50 Modelle.

  • Laufschuhtest 2018

    Köln. Laufprofis. Laufen.de

  • Laufschuhtest 2018

    Mit Schweiß zur Erfahrung.

Der frühe Vogel

Treffpunkt Sporthochschule Köln. Neben der DHfK Leipzig und der TU München, die Anlaufstelle in Deutschland, wenn es um geballtes Wissen im Sport geht. Eingeladen haben die Laufprofis des Handelsverbandes Sport 2000 und die Plattform Laufen.de. Und gekommen sind viele – sowohl die Experten aus den Laufläden, als auch die Industrie. Fast alle namenhaften Firmen waren vor Ort und versuchten mit allerlei Tricks, uns Tester zu überzeugen. Denn die eigentliche Aufgabe bestand darin, die Schuhe für Herbst/Winter 2018/2019 zu testen und zu bewerten. Für den Laufladen Erfurt gingen Marcus und Boris an den Start. Bereits eine Stunde vor dem offiziellen Start schlüpften wir, noch vor allen Anderen, in den ersten Testschuh und suchten uns eine möglichst aussagekräftige Runde. Auf ca. 1,35 km ging es einmal um die Jahnwiesen und den angrenzenden Parkwald herum. Gelaufen und getestet wurde auf Asphalt, geschottertem Waldboden, Wiese/Rasen, losem Waldweg und Parkwegen. Je nach Einsatzgebiet der Testschuhe haben wir versucht, die Versuchsobjekte möglichst unter realen Bedingung in ihrem Lieblingsterrain zu probieren.

Der große Laufschuhtest

Am Ende des Tages sind so knappe 27 gelaufene km und über 25 verschiedene Schuhmodelle mit einigem Schweiß erarbeitet wurden. Folgende Firmen haben wir genauer unter die Lupe genommen: Karhu, ON, 361°, Adidas, Falke, Ultra Sports, New Balance, Mizuno, Hoka, Saucony, Reebok und Brooks. Somit haben wir, bis auf Asics, Diadora und Salomon, alle Firmen vor Ort probiert.

Beim Leipziger Test im Februar haben wir schon einmal Karhu am Fuß gehabt und waren sehr enttäuscht. Jetzt kommt die amerikanisch-finnische Firma mit einer überarbeitenden Passform. In den USA hat man über 100.000 3-D-Scans von Läuferfüßen ausgewertet und einen Leisten entwickelt, der sehr nah am Mittelwert des Normalläufers sein dürfte. Das Resultat sieht man am neuen Kahru IKONI.

Für uns ein neutral-stabiler Schuh, mit einer anfangs zu engen Zehenbox. Da wir aber die ersten des Tages waren und die Schuhe noch sehr jungfräulich aus dem Karton kamen, gab die Enge mit der Zeit nach. Auf 8mm Sprengung passt der Karhu einfach tadellos beim Laufen. Eine sehr gute Passform, von der Ferse bis zum Mittelfuß. Der IKONI rollt gut ab auch bei höheren Geschwindigkeiten fängt nichts an zu schwimmen. Durch die Dämpfung und die Passform ist er vermutlich bis +/- 95 kg zu empfehlen. Uns hat er ein wenig an den alten Saucony Grid Moco, aus den 90ern, erinnert – allerdings ohne die damalig große Stabilität. Einzuordnen ist der Karhu IKONI sicherlich in die Gruppe um NB 880 und Brooks Defyance.

Wir waren uns eigentlich beim Karhu FUSION einig, dass wir keine guten Erinnerungen aus Leipzig an ihn hatten. Aber Er ist deutlich besser geworden. Das Zwischensohlenmaterial hat weniger Stabilität, als der IKONI und erinnert uns daher an einen etwas aufgeblähten KINVARA von Saucony. Trotz deutlich verbesserter Passform kam er uns, gerade bei hohem Tempo und auf den Waldwegen, etwas schwammiger vor. Da braucht es dann entweder einen guten Laufstil, Asphalt oder ein elfengleiches Erscheinungsbild durch die Parks Mitteldeutschlands. Alles in allem ist Karhu aber auf einem sehr guten Weg, an alte Traditionen anzuknüpfen. Lustigerweise gab es am Abend auch finnisches Bier von Karhu – das können sie also auch…

Das „immer ein bisschen Mehr“

Los ging es mit dem Spire 3 von 361°. Von Beginn an riefen die Schuhe nur drei Wörter: „Push! Push! Push!“. Ein klassicher Alleskönner, der gerne auch einmal einen schnellen 5er, 10er oder auch mal 15-20 km Lauf möchte. Für einen wirklich aggressiv-dynamischen Schuh hat er uns ein wenig zu viel Zwischensohle. Uns ist da beim Ballern ein wenig der Druck abhanden gekommen. Aber er will wirklich nach vorn gedrückt werden und vermittelt ein durchweg dynamisches Laufgefühl, gepaart mit einer wirklich schönen Passform. Alles in allem aber sowohl für den klassischen Fersenläufer wie auch Mittelfußläufer zu empfehlen.

Mit dem Sensation von 361° gab es auch eine richtig stabile Granate. Während Marcus mit seinen sub 70 kg als Leichtgewicht der Läufer gilt, bringt Boris ein wenig mehr Substanz auf die Sohle. Beiden ist aber sofort die schöne und angenehme Passform aufgefallen. Ein Plus an Platz im Vorfuß und Zehenbox scheinen bei einem entsprechenden Gewicht auch nötig, denn der Sensation scheint für den klassischen, schweren Überpronierer entwickelt zu sein. Marcus lief er ein wenig zu unrund, was aber sicherlich mit seinem Gewicht zusammenhing. Den Sensation musst Du über die Ferse laufen, sonst freuen sich die Faszien und Muskeln der Fußheber beim Vorfuß-/Mittelfußlauf über eine permanente Überlastung. Interessant wird die Entwicklung von 361° allemal. Erstens weil sie wirklich gute Schuhe bauen, die ein wenig an die Techniken der späten 90er erinnern und darüber hinaus eine Passform haben, die derzeit sonst nur NewBalance, Brooks und Hoka aufweisen.

Schweizer Wolken sind die schnellsten

CLOUDFLYER – ein Schuh, den man nicht merkt. Die stabile Variante der Schweizer von ON. Leicht, dynamisch mit ganz viel Einladung zum Mittelfußlaufen. Läuft sich aber tatsächlich auch prima über die Ferse. Einziger Nachteil ist, dass sich grober Schotter in der Sohle gesammelt hat. Aber wann läuft man schon über groben Schotter. Abgesehen von den Trainings zwischen Apfelstädt und der Wachsenburg kreuzt man ja bekanntlich sehr selten die ICE Strecken. Wenn man dann aber schon die Pupillen des heran nahenden Lokführers erkennt,  hat der CLOUDFLYER die entsprechende Dynamik um schnell weiter zu kommen.

CLOUDFLOW – Marcus’ˋWahl zum Ballern und Segmente gewinnen auf kurzen Strecken, Intervallen, Lauf-ABC oder Berganläufen. Der CLOUDFLOW ist schnell, leicht und mehr als direkt. Geeignet auch für Läufer mit einem schmalen Fuß sofern sie eine Nummer kleiner wählen. Nicht geeignet ist er hingegen für schwere Fersenläufer oder Läufer mit einer unsauberen Technik. Marcus ist sogar der Meinung, dass auch ein Halbmarathon mit dem CLOUDFLOW geht. Dann aber nur, wenn man muskulär stabil ist, um nicht die Woche danach mit dem Rollator ins Büro zu müssen.

Seit Juni heißt die neue Wunderwaffe in puncto Stabilität von ON CLOUDACE. Mehr Kontrolle geht bei den Schweizern nicht. Aber überzeugt hat uns der 200€ Schuh nicht. Klar, er ist beim reinschlüpfen komfortabel und die Passform beim Laufen ist auch gut. Jedoch kippte er uns, trotz 6mm Sprengung, beim Laufen  zu sehr. Neben den erneuten Steinen in der Sohle drückte auch die Zunge ein wenig. Die Traktion im Wald war zwar auch in Ordnung, aber im Vergleich zu anderen Modellen hat er einfach nicht genügend überzeugt.

Engagierte Mitstreiter

Begrüßt wurden wir von den Adidas Vertretern zunächst nicht. Es war dann doch wichtiger, sich über seine Praktika bei Gore untereinander zu unterhalten. Gerne hätten wir auch die Schuhe getestet, die wir im Laufladen Erfurt für den Herbst bestellt haben. Am Ende gab es neben wenig Fachexpertise des Aushängeschildes aus Herzogenaurach auch nur den SOLAR Glide und ADIZERO Boston. Aber auch das ist eine Aussage…

Wir haben uns für eine etwas längere Runde um den See entschieden. Der SOLAR Glide überrascht mit 10mm Sprengung und einem Gepatsche, dass wir eigentlich nur vom Nimbus aus Leipzig kannten. Grundsätzlich sitzt der SOLAR Glide aber sehr gut am Fuß. Anfangs ein wenig zu weich, der Körper gewöhnt sich doch recht schnell auf dem Parkweg daran. Die ausgesparte Ferse nimmt Druck vom Fersenbein. Da rutscht nichts. Da reibt nichts. Was anfangs noch schwammig daher kam, entpuppt sich nach zwei Kilometern als nicht mehr existent. Der Vorfuß hat angenehm Platz. Nur der Spann bekommt ein wenig Druck durch die ungewohnt starre Schnürung. Wobei letzteres nicht wirklich eine Herausforderung darstellt. Empfehlen würden wir den SOLAR Glide für 5-10 km, 2x pro Woche. Wir befürchten, dass bei einer höheren Belastung das Boostmaterial zu schnell nachgibt.

Mit dem Adidas ADIZERO Boston kommt der Nachfolger vom Marcel-Krieghoff-Erfolgsschuh. Viel verändert hat sich zum Vorgänger nicht. Auch hier hört man die 10mm Sprengung auf dem Parkweg um den See herum. Wir patschen vor uns hin während die Enten am Rand in panischer Verunsicherung ins kalte kölner Wasser flüchten. Lediglich der Mittelfußbereich erscheint Marcus etwas unangenehm. Zusammenfassend aber ein guter Temposchuh bis zur Halbmarathondistanz und für leichte Läufer bis gefühlt max. 75 kg.

Alles in Balance

Getestet haben wir eigentlich alles, was wir derzeit auch im Laufladen Erfurt haben.
Nach Erfurt kommt der NB 1500 BOA zwar erst im Herbst, gelaufen sind wir ihn trotzdem schon. Das Schnell-Schnür-System BOA lässt das Obermaterial eng an den Mittelfuß schmiegen. Beim 1500er denken wir an eine Granate, an Papier unter der Fußsohle. Die gefühlten 2mm Sprengung sind laut NewBalance 6mm. Das ändert aber nichts am Wesen des schnellen Wettkampfschuhes. Selbst auf nassem Untergrund hat er noch genügend Haftung. Um auch bei hohen Geschwindigkeiten nicht zu sehr zu schwimmen, empfehlen wir, den 1500 BOA eine Nummer kleiner zu wählen.
Einer unser meist gelaufenen Schuhe derzeit in Erfurt ist der 880 und das zu Recht. Ein absoulter Alleskönner und der optimale Schuh für den Laufeinstieg. Getestet zwar in der normalen Weite, die schmale Variante des 880 sitzt noch besser am Fuß. Uns hat er sofort überzeugt. Ein rundum gutes Abrollverhalten mit vielleicht ein wenig zu viel Stoff im Obermaterial im Bereich der Zehenbox. Die Ferse sitzt ebenso gut. Dynamisch kann der 880 übrigens auch gelaufen werden. Abhängig von der Lauferfahrung können wir uns vorstellen, den 880 auch auf längeren Strecken zu laufen.
Nach den vielen dynamischen und flachen Modellen, kommt der stabile 860 von New Balance anfangs wie ein Backstein daher. Er scheint wie geschaffen für schwere Läufer mit einem breiten Schlappen. Ein Rohr ist er bisweilen nicht aber er liefert die nötige Stabilität, Führung und Kontrolle für alle, die das brauchen. Man merkt automatisch, dass man einfach mehr Schuh am Fuß hat. Grundsätzlich drückt nichts, es rutscht nichts und schwammig ist der 860 schon gar nicht.
Der 890 ist das Bindeglied zwischen den schnellen 1500, BORACAY und den genüsslichen 1080 oder auch 880. Zum Rennsteiglauf 2018 schon durch den heißen Thüringer Wald gehetzt, ging es jetzt gemütlicher durch Köln. Schön dynamisch, vorne etwas zu breit für schmale Füße, mit einer durchaus guten Dämpfung. Die breite Sohle schafft die nötige Sicherheit auch bei höheren Geschwindigkeiten für dynamisch ambitionierte Trainingsläufe.
Neben dem Brooks Glycerin, die eierlegende Wollmilchsau der letzten 24 Monate, aus dem Hause NewBalance, ist der 1080. Er ist und bleibt der perfekte Komfortschuh. Grundsolide Verarbeitung und Passform. Breiter Schuhaufbau mit FreshFoam, einem extrem angenehmen Schaum und einem mehr als gemütlichen Abrollverhalten. Weiche Dämpfung ohne auch nur ansatzweise schwammig zu wirken. Geeignet für Laufeinsteiger und ambitionierte Läufer mit Genussabsichten. Einfach optimal.

In Japan kann man Himmel und Horizont wieder sehen

Direkt im Anschluss ging es zu den Japanaern von Mizuno. Gut ist, dass die Firma endlich wieder bessere Schuhe baut als in der Vergangenheit. Der neue Rider 22 läuft noch nicht ganz geräuschlos, aber schon deutlich runder als noch seine Vorgänger. Mit dem SKY und HORIZON sind gleich zwei Komfortmodelle auf dem Markt. Der weiche komfortable SKY ist vor allem für schwere Läufer gedacht, die nicht unbedingt auf Stabilität angewiesen sind. Grundsätzlich also ein gemütlicher und sorgenfreier Schuh. Marcus war er ein wenig zu breit im Vorfuß und die Ferse hatte ein wenig Spiel. Boris fühlte sich sehr gut aufgehoben und hatte außer dem obligatorischen Sohlenschotter nichts auszusetzen. Was der Sky braucht, ist Zeit zum Einlaufen. Vor allem, wenn man von flacheren, direkteren Schuhen kommt. Eingelaufen werden muss auch der HORIZON. Die stabile Variante vom SKY mit 10mm Sprengung ist nichts für leichte Läufer. Dort dürfte die Belastung mit Sprengung, zweitem Härtegrad und dem Gewicht doch etwas überlastend für Schienbeinkante etc. ausfallen.

Hoka

CLIFTON 5 von HOKA – der Spannungshemmer von der Wade. Die belasteten Waden durch den ständigen Schuhwechsel erhalten jetzt Hilfe. Beim CLIFTON 5 braucht der Körper zwar erst wieder ein paar hundert Meter um sich voll und ganz auf die Ferse zu verlassen, dafür bekommt man aber das rundum sorglos Paket. Eine nahezu perfekte Passform von der Ferse bis zur Zehenbox. Da wir wirklich gar nichts auszusetzen haben, ist der CLIFTON 5 für uns eindeutig auf dem Treppchen der Testsieger. Empfehlenswert also nicht nur bei Problemen, sondern auch prophylaktisch als Ergänzung bei hohen Umfängen oder zu harten Trainingsbelastungen. Einfach ein super Schuh.
Mit dem SPEEDGOAT 2 von Hoka kam der erste Trailschuh des Tages. Den Asphaltweg in Richtung Trail mag der SPEEDGOAT nicht. Durch das grobstollige Profil entsteht auch in der dünnen Falkesocke Reibung, die man als Läufer nicht mag. Die Zehenbox ist etwas schmaler als beim CLIFTON 5, sodass man gerne auch eine halbe Nummer größer probieren sollte. Generell merkt man den SPEEDGOAT etwas mehr am Fuß, als noch den CLIFTON 5. Im Gegensatz zur vorhergehenden Fersentechnik, wird man jetzt auch wieder mehr in den Mittelfuß gerufen. Im Gelände fühlt er sich dann wohl. Griffigkeit an jeder Stelle, egal ob auf Sand, Unterholz oder auch über die Baumstämme der Nation. Zwar fehlt eine durchschlagfeste Sohle, aber die Schottersteine sind ja eh alle schon aufgesammelt.

Saucony

Wir bleiben beim Thema Trail und wechseln zu den Amerikanern von Saucony. Der neue alte PEREGRINE mit 8mm Sprengung ist weiterhin ein grundsolider, weicher und sehr gut greifender Geländelaufschuh. Das leichte Gewicht macht Spaß abseits befestigter Wege. Die Zehenbox ist etwas breiter, sodass man gerade bei schellen Bergabpassagen mehr Spaß haben dürfte. Auch hier gilt wieder die brennende Asphaltregel: lieber abseits und durch den Schlamm als sich heiße Sohlen zu holen. Außerdem sollte man den PEREGRINE nicht direkt nach dem HOKA probieren – denn das hat der nach wie vor sehr, sehr gute Schuh nicht verdient.
Für den Einstieg in den Laufsport ist auch der MÜNCHN 3 optimal geeignet. Gute Passform aber ohne den großen Komfort eines weichen GLYCERIN von BROOKS. Also eher nichts für Läufer, die in ein Federbettkissen treten möchten. Der MÜNCHN 3 ist wieder sehr leicht und kommt nur anfangs etwas zu hart vor. Nach ein paar hundert Metern hat sich dieses Gefühl bei beiden in ein eher angenehmes, rundes Laufgefühl verändert. Lediglich das Obermaterial könnte einen Zentimeter weniger Stoff vertragen. Aber auch diese Herausforderung sollte mit einer entsprechenden Socke oder Schnürung behoben werden können.

Brooks

Zum Schluss haben wir uns noch Brooks vorgenommen, da wir wussten, dass dort nicht viel schief laufen kann und die Füße nach 25 km gerne auch etwas weiches möchten. Los ging es mit dem neuen LEVITATE 2. Der auf 8mm Sprengung gebaute Schuh hat wieder ein 360° gestricktes, strumpfähnliches Obermaterial. Dadurch hatten wir beide das Gefühl, dass sich die geschundenen Füße tadellos an den Schuh anschmiegen. Bis auf ein wenig Druck von unten an der Ferse haben wir nichts zu beanstanden. An keiner Stelle des Schuhs entsteht Reibung oder eine anderweitige Irritation. Im Vergleich zum neuen GLYCERIN ist er sogar eher für ein dynamisches Laufen geeignet, da er nicht einmal ansatzweise anfängt zu schwimmen.
Wer beim alten Aushängeschild der Komfortschuhe das gewohnte Teppichkissen erwartet, wird überrascht sein. Der neue Glycerin begrüßt uns mit deutlich weniger aufgeblähtem Schaum. Die Zwischensohle kommt mit weniger Material aber dafür mehr Luft aus. Dass die Laufleistung weiterhin bei 800-1200 KM liegen soll, darf bezweifelt werden. Ansonsten ist auch der neue GLYCERIN wieder die erste Wahl, wenn es um das Thema Komfort geht. Durch die etwas konvexe Verarbeitung im Innenbereich soll noch mehr Stabilität erreicht werden. Zusammenfassend ist der neue GLYCERIN aber weiter ein lockerer, komfortabler Dauerlaufschuh, der nur bei hohen Geschwindigkeiten, unter der 4 Minuten Marke, ein wenig schwammig wird.

Fazit

Wie kann nun ein Fazit aussehen? Wir wagen da einfach einmal eine sehr visionäre Behauptung. Der Trend zum leichten und komfortablen Schuh bleibt. Die Firmen, die es schaffen, z.B. an Mittelwertdaten von mit 3-D-Scannern untersuchten Füßen heranzukommen, bauen einfach die besten Leisten mit der besten Passform. Und Passform ist nun mal das Argument schlecht hin. Nach fast 15 Jahren Natural Running, wird das Thema Stabilität wieder kommen und zwar mit der Technik der 90er Jahre. Pronationsstütze, zweiter Härtegrad oder auch eine Torsionsbrücke wie bei 361°. Das gab es ja schon alles einmal. Und dann ist da noch der Trend der zwei größten Sportartikelfirmen. Beide beschäftigen sich nicht einmal mehr stiefmütterlich mit ihren Laufspezialisten, sondern verkaufen lieber direkt an den Läufer, zu Hause vor dem Rechner. Die Folge ist immer weichere Schuhe, ohne wirklich gute Passform und einer Laufleistung von max. 400-600km. Wer dafür auch noch 180-200€ zahlen möchte, sollte das tun. Wir empfehlen hingegen das Ausweichen auf andere Firmen, denn es geht nicht nur um den Fuß oder die Körperachse. Es geht auch um den Kopf, das suchende Gefühl beim Laufen oder das Entschleunigen nach dem 10-Stunden Arbeitstag. Aber auch wer ballern will, soll halt nicht schwimmen. Das haben beide angesprochene Firmen durch die Außendarstellung Ihrer Unternehmensvertreter in Köln sehr anschaulich dargestellt. Eine wirkliche Expertise gibt es halt nicht beim Praktikanten oder Sportstudenten unterm 3×3 Meter Zelt. Expertise kommt von Erfahrung. Und die haben wir nach 28 km und dutzenden Testschuhen mit in den Laufladen Erfurt gebracht.