Spartan Race Tirol

3 Rennen – 4 Medaillen – unzählige Schmerzen

Um Weihnachten hatte jemand aus der Trainingsgruppe die blöde Idee, doch die Trifecta zu probieren. Trifecta bedeutet eigentlich drei Rennen der Spartan Race Serie in einem Jahr: Sprint (5 km+), Super (13 km+) und Beast (20 km+). Ein 3/4 Jahr später. Zweites Wochenende im September. Lange Anreise nach Oberndorf in der Nähe von Kitzbühel / Tirol. Die Berge schimmern im morgendlichen Nebel. Wir laufen alle drei Rennen an einem Wochenende. Die große Wiese im Startgelände liegt unterhalb des Kitzbühler Horns. Lustig sind die Einpeitschversuche des Festivalunterhalters ja schon irgendwie. Warum man allerdings hochintensive Kraftübungen vor so einem Rennen macht, erschließt sich mir noch immer nicht. Der Startschuss fällt fast pünktlich. Wir nehmen entspannt die dritte oder vierte Startwelle. Noch haben wir den Irrglauben, dass wir ja nach dem ersten langen Lauf in etwa 3-4h wieder im Ziel sind. Direkt nach dem Start geht es in den Steinbruch hoch. Eskaldierwände, steile Schotterhangpassagen bergauf und bergab, wieder Eskaldierwände und schließlich ein Bergsee. Offensichtlich können einige Mitstreiter nicht Schwimmen, weswegen sie direkt zur Strafe Hockstrecksprünge machen müssen. Wir nutzen derweil die Möglichkeit zum Hyperventilieren und tauchen ein ins kühle Nass. Terrassenartig geht es danach durch den Steinbruch. Auf jeder neuen Höhe warten spanische Reiter, mit Kies gefüllte Eimer, Seilzüge mit Gewicht oder der eiserne Wackeldackel. Dann heißt es erst einmal Laufen, Laufen und Laufen. Beim Speerwurf treffen nicht alle aus der Gruppe so dass auch wir gemeinsam die Strafe absitzen müssen. Wieder warten Wände aus Holz auf dem Laufweg bevor es für etwa zwei Kilometer durch ein Bachbett geht. Wie Traktoren pflügen wir durch das trübe Wasser. Automatisch suchen sich die Stollen der Trailschuhe den notwendigen Halt im feuchten Untergrund. Manch einer schaut ungläubig nach hinten. Offensichtlich hört man die schnaufenden Rosse aus Erfurt schon von weitem. Aber Geschwindigkeit stabilisiert nunmal. Nach dem Bachlauf warten wieder einige Kletterpassagen über Baugerüste, das obligatorische Reifen tragen und natürlich unser Liebling – das Holzstück. Inzwischen sehen wir schon aus, wie eine Horde Frischlinge im Herbstsud. Irgendwann wir der Waldweg dann doch zu tief. Der Schuh kommt samt Fuß nicht mehr schnell genug aus den Tiefen des Schlamms. In der Folge vermesse ich kurz mittels Körperlänge den Boden und freue mich über die Schlammpackung im Gesicht. Generell ist die Strecke ausgesprochen gut gewählt. Waldwege, feinste Trails, tiefes Geläuf aus Wiese und Schlamm und dann plötzlich wieder Asphalt.

Skipiste bergauf

Die ersten Gels werden geöffnet. Die Garmin Fenix 3 zeigt immer wieder einen roten Pulsbereich und wir sollten uns eigentlich bremsen. Aber es macht halt so viel Spaß. Wir passieren das Tal, unterlaufen die Straße, Bahndamm und es geht wieder in den Fluß. Jenseits geht es direkt in eine Art Abwasserkanal zwischen zwei Feldern bergauf. Lange zwei Kilometer wie an einer Perlenschnur. Erneut ging es über Netze, natürliche Murenverbauungen hinein in den Berg. Die Waden brennen. Der Körper lechzt nach Wasser und Zucker. Oben ist nicht gleich oben. Erst wartet die Boulderwand, dann ein etwa 100 Meter langes Kriechhindernis unter Stacheldraht die Skipiste hoch. Und dann geht es die rote Piste nach oben. Wieder Speer werfen. Wieder treffen nicht alle. Wieder Hockstrecksprünge. Weiter, immer weiter lautet die Devise. Wieder wartet ein schöner Bergsee. Wieder Schwimmen und wieder bergauf. Vor der nächsten Eskaladierwand liegt Stroh. Warum liegt hier eigentlich Stroh fragen wir uns? Dahinter grasen die Wiederkäuer und hinterlassen entsprechende Spuren. Bloß nicht hinfallen. Am höchsten Punkt der Strecke sind wir erleichtert. Ab jetzt nur bergab und Gas geben. Falsch gedacht. Nach dem ersten Seil-Hangel-Hindernis wartet der Sandsack. Unser neuer Freund möchte mit seinen 25kg noch die schwarze Piste hoch und runter getragen werden. Diese 20 Minuten dauernde innige Freundschaft bleibt lange im Körper und im Kopf. Dagegen ist die Ankerkette, der Seilsteg und die Balanceübungen nur noch Zugabe. Spaß haben wir dennoch – auch wenn das Lachen schwer fällt. Nach vier Stunden haben wir noch ein paar Kilometer vor uns. Das mit dem zweiten Rennen am Tag wird knapp. Wieder Gewichte tragen, hangeln, kriechen, Schlamm schmecken, anderen helfen, Seil hoch klettern und erschöpft ins Ziel. Der Chef wartet schon ungeduldig. Uns bleiben 30 Minuten zum Umziehen und Verpflegen. Gesagt getan, stehen wir 5:30h nach dem ersten Start wieder an der Linie. Meine beiden Begleiter wollten kapitulieren. Gibt´s aber nicht. Aufstehen, Krone richten und Auslaufen. Wir wissen ja jetzt, was auf uns zu kommt.

Der zweite und dritte Lauf

Aus 5 km+ werden dann doch fast 7,5 km. Anders als im ersten Rennen ist aber alles locker. Wir genießen es. Machen gerne die Strafübungen für unsere Begleiter mit und helfen was das Zeug hält. Offensichtlich ist so ein Hindernislauf auch eine Art Partnerbörse für Menschen mit gewissen Vorlieben. Am Ende des Tages gibt´s die zweite Medaille. Gewaschen wird sich wie üblich im eiskalten Bergbach. Der Abend wird kurz. Die Wunden werden geleckt. Schlaf fällt schwer bei der Arbeit, die der Körper gerade in der Regeneration verrichtet. Am nächsten Morgen geht es wieder in die gleiche Runde. Aus 13km+ werden wieder 18. Am Ende sind es knapp 60km mit 4.000 Höhenmetern. Mit der dritten Medaille gibt´s auch die große Plakette der Trifecta. Von gemeldeten 350 sind knapp 140 ins Ziel gekommen. Unser Trainingsauftakt für das Getting Tough ist geschafft. Landschaftlich einer der schönsten Läufe im OCR Bereich. Für alle Kaliber ist etwas dabei. Ob der Preis für die Startplätze gerechtfertigt ist, bleibt zu hinterfragen. Für einen Sportler, der seine Grenzen herausfinden möchte, aber definitiv zu empfehlen. Wir werden 2017 wieder kommen. Natürlich zur Trifecta.

Euer Boris