Kratzalarm beim Bergsteigen

Regen bei der Rad-Einheit, Kratzalarm beim Bergsteigen und Schlamm beim Hindernislauf: Sport- und Outdooruhren müssen heutzutage eine ganze Menge aushalten. Bisher sind sie daher vor allem durch Ihre Robustheit und relativ globigen Ausmaße aufgefallen. Anders dürfte es sich mit der neuen Fenix 3 von Garmin verhalten. Sie als reine Outdoor-Uhr abzuhaken, wäre nicht nur grob unsportlich. Man würde sie auch schlichtweg unterschätzen. Neben der eigentlichen Uhr befindet sich auch ein USB-Ladekabel mit entsprechenden Adaptern sowie der obligatorische Brustgurt im Lieferumfang.

Meine erste Outdooruhr habe ich vor acht Jahren im südamerikanischen Dschungel von Franzözisch Guyane testen dürfen. Damals war ein integriertes GPS noch ein Novum. Das der Akku keine 48h hielt, war mehr als ärgerlich. Die X9mi setzte sich langfristig auch nicht durch. Anders verhielt es sich mit der neuen Fenix 3 von Garmin. Der erste Eindruck war ein sehr stilistischer. In schlichtem aber elegant schwarzen Farbton wirkt sie edel.

Apps am Handgelenk

Die Garmin Fenix 3 besitzt ein sogenanntes transflektives Farbdisplay. So wird die schon gute Ablesbarkeit bei einfallendem Licht weiter verbessert. Das bringt besonders bei Tempoläufen oder Situationen, bei denen man schnell einen Blick auf die Uhr werfen muss, einen Vorteil. Fünf Knöpfe seuern alle Funktionen der Uhr. Lediglich der Knopf zum Nehmen von Zwischenzeiten kann bei massivem Handgelenk hin und wieder unbeabsichtigt ausgelöst werden. Sofern man aber z.B. beim Dauerlauf die automatischen Rundenzeiten von 1.000m eingestellt hat, sollte es nicht weiter stören. Für die Technik affinen Sportler sei angemerkt, dass man mit dem Garmin eigenen Connect-IQ-Store bestimmte Applikationen auf der Uhr installieren kann. Mit 30 Angeboten ist das Angebot derzeit noch überschaubar. Die Zielrichtung ist aber klar erkennbar: Selten benötigte Spezialanwendungen findet man in diesen Apps und kann sie bei Bedarf per Smartphone oder USB-Kabel vom PC direkt auf die Uhr laden.

Für mich sind praktischerweise die klassichen Trainingsinhalte schon eingestellt. Laufen (Indoor, Trail), Radfahren, Bergsteigen, Skilanglauf, Wandern, Fitness sowie Athletik oder Triathlon-Training sind nur einige Beispiele der 12 vorinstallierten Sportarten. Das ist im täglichen Gebrauch durchaus praktisch, denn so lassen sich einige Menüpunkte direkt in der Uhr verändern. Mir war es im Test bspw. wichtig, auf den Bergtouren auch einmal die Herzfreqeunz zu erfassen. Mit ein wenig Einstell-Geduld kann der Sportler die Anzeigefelder bis ins letzte Detail festlegen.

Datenerfassung und Datenauswertung

Ich gebe zu, dass ich erst ein bis zwei Tage gebraucht habe um mich in der Menüführung der Uhr zurecht zu finden. Ähnlich lange verhielt es sich auch mit der cloudbasierten Auswerte-Software Garmin-Connect. Letztere wirkt zwar sehr modern, kann aber auch überladen erscheinen. Übersichtlich sind jedoch die Angaben zur täglichen Aktivität, Schlafrhythmus und sportlicher Trainingseinheiten abzurufen. Die Übertragung kann mittels Bluetooth sowohl mit Android- als auch iOS-Smartphones durchgeführt werden. Selbst die Möglichkeit das eigene WLAN zu verwenden ist gegeben. Ich persönlich habe allerdings das USB-Kabel inkl. Ladestation verwendet um a) nicht noch mehr Strahlung in den eigenen vier Wänden zu haben und b) die Fenix 3 gleich zu laden. Garmin verwendet bei allen Übertragungen die Funktechnik ANT+, welche sich heute in den meisten Sportsensoren beobachten lässt. Während der Übertragung werden nicht nur die Daten der täglichen Aktivität (Schlaf, Schritte, Inaktivitätsalarme) übermittelt. Vielmehr können nahezu alle den Sport betreffenden Daten ausgelsen werden. Dazu zählen beim Läufer insbesondere Herzfreqeunz, Schrittfrequenz, Bodenkontaktzeit, Schrittlänge u.ä. Theoretisch ist es sogar möglich, die Übertragungswege Bluetooth und ANT+ parallel zu nutzen. So kann ich als Trainer in Echtzeit die eben angesprochenen Daten in der Software auslesen, während mein Sportler noch mit seinem Smartphone trainiert. Ich persönlich halte von dieser Art des gläsernen Sportlers nicht viel. Allerdings ist das genau die Einstellung, die im Profisport und bei Anfängern zur Überwachung und Vermeidung eines Übertrainings notwendig ist.

Garmin Fenix 3 im Alltag

Ich habe die Fenix 3 zunächst im Alltag und bei den täglichen Dauerläufen getestet. Zusätzlich kamen noch einige Touren im alpinen Hochgebirge bis etwa 2.800m.N.N. Die Uhr zählt per eingebautem Beschleunigungssensor auch die Schrittzahl im Alltag. Darüber hinaus werden die nächtlichen Bewegungen im Schlaf erfasst. Nach zu langer Inaktivität macht sich die Uhr mit einer Vibration und dem Kommando „Los!“ bemerkbar. Das kann manchmal schon Motivation genug sein… Die Aufzeichnung bei sportlicher Aktivität gab mir keinerlei Grund zur Beanstandungen. Herzfrequenz und GPS funktionierten in der Regel tadellos. Angeblich sollen nicht nur amerikansiche GPS Satelliten sondern auch das russische Gegenstück von Glonass verwendet werden. Selbst in urbanem Umfeld und dichtem Wald hatte ich nach maximal 60 Sekunden eine Positionsangabe. Nach achtstündiger Bergtour hatte ich noch eine Akkulaufzeit von 68%. Garmin selbst gibt die Akkulaufzeit mit 18,5 Stunden an. Ohne GPS Ortung hält die Uhr sogar bis zu vier

Empfehlung für den Allround-Sportler

Wer ausschließlich auf standardisierten Laufrunden unterwegs ist, wird mit der Fenix 3 vermutlich nicht glücklich. Wer jedoch ein Multitalent des Schulsports war und neben Laufen auch auf das MTB, die Langläufer oder hin und wieder in den Klettergurt steigt – ist hier genau richtig. Interessant dürfte die Uhr aber auch für die vielen Pendler und Dienstreisenden sein, die regelmäßig an anderen Strecken laufen bzw. sporteln. Wer Schwierigkeiten mit der Orientierung hat, kann sich beispielsweise seinen Startpunkt in der Uhr speichern. Und wenn man nach 40 Minuten genug in eine Richtung gelaufen ist, lässt man sich mit der Track-Back-Funktion einfach zurück führen. Aber Vorischt! Auch hier sollte der eigene Kopf nicht ausgeschaltet werden. Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Uhr für Menschen interessant ist, die gerne einmal abseits der Wege unterwegs sind. Alles in allem ist die Fenix 3 ein wirklich schönes Spielzeug, was jedem Sportler hilft, das Training besser zu anlysieren und somit weiter optimieren zu können.

Update! Fenix 3 HR

Ab sofort ist die Fenix 3 auch mit integrierter optischer Herzfrequenzmessung und Saphirglas bestellbar.