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    ASICS GEL-Fuji Runnegade

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    ASICS GEL-Fuji Runnegade

ASICS GEL-Fuji Runnegade

Mit dem neuen Fuji Runnegade schließt Asics die Lücke im Segment der schnellen Trailschuhe. Grund genug für uns, die japanische Erfindung auf Herz und Nieren zu testen – beim OCR Rennen Harzer Keiler und im Gebirge des Wettersteins.

Der erste Eindruck

Als ich den Runnegade aus der Verpackung nehme fällt der erste Gedanke an einen Traktor. Das extrem grobstollige Profil ist definitiv nicht für sanftes Gelände konzipiert. Die Mittelsohle wirkt hingegen flach und deutet schon auf die aggressive Ausrichtung hin. Asics bringt erneut sein wasserabweisendes Obermaterial namens Plasmaguard mit. Zusätzlich besitzt der Schuh eine Art Gamasche die mit einem neoprenähnlichen Material bis zum unteren Sprunggelenk reicht. Von daher scheinen sich die Entwickler wirklich viele Gedanken gemacht haben um Matsch, Steine oder Schnee vom Fuß fern zu halten. Daher passt es, dass der Harzer Keiler und die Speed Transalp von der Zugspitze nach Meran diesen Monat auf dem Programm standen. Denn genau für diese Rennen ist der farblich sehr auffällige Schuh gemacht: Tolle Trails, herausfordernde Hindernisläufe oder anders formuliert – zum absoluten Off-Road-Genuss.

Die Eingewöhnung

Die erste Passform fühlt sich sehr gut an. Das enge Umschließen der der Gamasche signalisiert dem Kopf unterbewusst eine Art Führung und Stabilität. Beim Einlaufen des Runnegades entlang der Gera fällt auf, dass der Schuh den Athleten sofort nach vorn drückt. Er will förmlich, dass Du schnell läufst. Klar wird auch, dass kurze Passagen auf Asphalt zunächst kein Problem darstellen. Das aggressive Profil mit doch mittelweichem Gummi verzeiht offensichtlich auch harten Untergrund. Einziger kleiner Wermutstropfen ist, dass die typische kleine Tasche zum Verstauen der Schnürsenkel wie beim Asics Fuji Endurance fehlt. Wie sich im Laufe des Testens herausstellt, ist das Unterlegen der Schnürsenkel nach vorn aber mindestens genauso effektiv.

Das Hindernisrennen

Gemeinsam mit der Trainingsgruppe ging es in den Harz. Auf knapp 26 Kilometer ging es zum Hindernisrennen Harzer Keiler. Eines darf vorweg genommen werden, während sich andere Athleten bei den vielen steilen Bergabpassagen hinsetzen mussten, lief der Runnegade in der Diretissima-Line die Hänge hinab. Das Profil hielt, was es versprach – nämlich absolute Kontrolle in jeder Situation. Pyramiden aus Stroh, Eskaladierwände oder andere mit Holz versehene Hindernisse freuten sich auf den Runnegade. Durch die Dynamik des Schuhs war es auch bei steilen Abschnitten möglich, mit wenig Kraftaufwand Tempo aufzubauen. Durch den direkten Bodenkontakt hat der Athlet ein sehr feines Gefühl für die unterschiedlichen Bodenverhältnisse. Das erste Mal fiel jedoch auf, dass die Feuchtigkeit im Schuh Probleme hat, zu entweichen. Vielleicht mag es am schwitzenden Fuß gelegen haben. Nach den Wasserhindernissen, wo der Schuh samt Körper komplett eingetaucht war, blieb immer ein wenig Restwasser im Schuh. Die Folge ist ein vermehrtes Aufweichen der Fußhaut und somit eine gesteigerte Gefahr der Blasenbildung. Auf kurzen Läufen stellt dies gewisse keine Herausforderung dar. Wenn die Uhr aber jenseits der drei Stunden stehen bleibt, muss man selbst ein wenig optimieren. Extrem beeindruckt war ich jedoch von der Gamasche. Auch in hüfttiefem Schlamm drang kein Steinchen oder kein Matsch in den Schuh. Am Ende des Rennens zeigte sich, dass der Fuji-Runnegade genau für solche Rennen abseits der Wege gemacht ist.

Der Gebirgs-Trail

Ende Juni ging es nach Garmisch. Eine Woche nach dem Zugspitz-Ultra-Trail sollte es Richtung Meran Gehen. Am Ende wurden es drei Tage mit fast 80 KM und knapp 7.000 Höhenmeter. Man kann getrost behaupten, dass wir den Runnegade an seine Grenzen geführt haben, oder er uns? Mit etwa sieben Kilo Zusatzgepäck ging über Wald- und Wiesenwege, einsame Bergpfade, Altschneefelder, leichte Kletterpassagen feinsten Kalkgesteins und durch schier endlose Geröllfelder und Skipisten bergauf und bergab. Bei hochsommerlichen Temperaturen funktionierte die Klimaautomatik mit Plasmaguard die ersten Stunden sehr gut. Auf den gefährlichen Altschneefeldern hatten wir immer den Eindruck, dass wir uns auf den Grip der Sohle verlassen konnten. Durch die Leichtigkeit des Fuji Runnegades hat man als Läufer am Berg immer ein direktes Feedback für den Untergrund. Außerdem entfällt das Gefühl eines schweren Schuhs. Dass man hierfür grundsätzlich gut auf dem Schuh mit koordinativer und alpiner Erfahrung stehen muss, sollte selbstverständlich sein. Auf den rasanten Abfahrten durchs grobe Geröll und mit Bergblumen gepflasterte Almwiesen lief der Asics langsam heiß. Zwar war die Führung durch die enge Gamasche nachwievor gegeben. Es zeigte sich jedoch, dass der Wärmeaustausch bei Werten jenseits der 25°C nicht ganz einwandfrei lief. So mussten wir zwischendurch einige Zwangspausen einlegen, um den Motor, sprich die feuchten Socken im heißen Schuh herunter zu wählen. Ich denke auch, dass durch die wirklich extreme Belastung über mehrere Tage mit aggressiver Beanspruchung abseits der Wege und dem Zusatzgewicht des Rucksackes eine Grenze erreicht wurde. Für Athleten mit einem Gewicht um die 70 bis vielleicht maximal 80 Kg dürfte der Schuh ohne Probleme seine Leistung bringen. Alles darüber hinaus dürfte für eine mehrtägige Laufeinheit zu viel werden. Am Abend waren wir auf der Berghütte überrascht, dass Schuh und Fuß die Farbe der Socke angenommen hatten. Das der Schuh am Ende ein wenig Gummi verloren hat und sich der Übergang von Zehenbox zur Sohle gelöst hat, ist mehr als zu verschmerzen.

Fazit & Empfehlung

Ich sehe den Asics Fuji-Runnegade eindeutig in der Liga Wettkampfschuhe für Hindernisrennen und mittlere Trainingsläufe im Trail. Natürlich kann man niemandem empfehlen, Löcher in einen neuen Schuh zu bohren. Ich glaube aber, dass zwei kleine Bohrungen im Innenbereich schon ausreichen, um das Wasser bei Getting Tough The Race & Co. nicht über die volle Distanz im Schuh zu haben. Wer lediglich hin und wieder abseits befestigter Wege läuft oder gern durch das Unterholz läuft, ist beim Runnegade schon jetzt gut aufgehoben. Genauso zu empfehlen ist er für hochalpine Trails mit leichten und nicht absturzgefährdenden Schneepassagen und tiefes Geröll. Die Laufleistung würde ich derzeit abhängig vom Gewicht auf maximal 500 Kilometer beziffern. Das Körpergewicht sollte die 85 Kg nicht wesentlich überschreiten. Ausnahmen sind natürlich willkommen. Es sollte aber jedem klar sein, dass die athletische und koordinative Ausbildung, nämlich gut auf dem Schuh zu stehen die Basis hierfür ist. Nur so kann man als Athlet unter mentaler und physischer Erschöpfung eine Menge Spaß mit dem neuen Asics Fuji-Runnegade haben.

Nachtrag

Wir haben die Schuhe in die Orthopädiewerkstatt von Schuh Tasch gegeben. Nach dem erfolgreichen Umbau und dem Einsetzen von zwei Löchern läuft das Wasser jetzt ohne Probleme ab. Manchmal hilft es also doch, die Leute vom Fach zu fragen und die eigene Ausrüstung immer weiter zu verbessern.